Kurioses und Unterschiede zwischen Deutschland & Australien

Wir sitzen nun immer noch im langweiligen Canowindra und wissen teilweise vor Langeweile nichts anzufangen. Zwar haben wir jetzt ein wenig mehr Arbeit, da die Sonne wieder herausgekrochen ist, aber bei 5h Arbeit teilweise ist der Tag noch nicht ganz ausgeschöpft. Da wir nun leider nichts Neues zu berichten haben, außer vielleicht, dass Melonenpflanzen unter einer schwarzen Plastikfolie am besten gedeihen, sie 8 Wochen brauchen bis sie reif zur Ernte sind und, dass Melonenpflanzen bewegen eine scheiß Arbeit ist, haben wir beschlossen, den Beitrag einem anderem Thema zu widmen.
Wir sind ja nun doch schon eine gewisse Weile in dem schönen Land Australien unterwegs und uns ist schon so einiges Kurioses hier aufgefallen. Dieses wollen wir doch einmal festhalten, damit ihr beim Sonntagsfrühstück auch etwas zum Lesen habt!

Verkehr

Zunächst mussten wir uns ziemlich an die neuen Umstände des Verkehrs gewöhnen. Nicht nur, dass man jetzt auf der linken Seite fährt, auf der rechten Seite sitzt und mit der linken Hand schaltet, nein auch vielerlei andere Dinge sind etwas anders als in Europa. Nach einer kurzen Zeit der Eingewöhnung nahmen wir es auch als selbstverständlich, dass man links und nicht rechts in den Kreisverkehr hineinfährt. Was wir zusätzlich lernen mussten ist, dass Highways nicht gleichzusetzen sind mit deutschen Autobahnen. Man kann sich Highways (abgesehenen von denen um die Großstädte) eher als Landstraßen vorstellen. Teilweise können sie in sehr abgelegenen Gebieten wie das Outback auch einspurig (für beide Fahrrichtungen) werden. Sehr lustig ist es auch, wenn Kreisverkehre und Ampeln auftauchen, besonders dann, wenn man mitten im Nichts steht und schon seit 2 Stunden keinen anderen Autofahrer erblickt hat. Außerdem darf man nicht verwundert sein, wenn auch andere Bewohner des Kontinents den Highway benutzen und plötzlich Kühe, Kängurus oder Schafe die Straße passieren.

Muhhhhh kurioses-0132 Ampel mitten im Outback

Ebenfalls sehr amüsant ist der spektakuläre Beruf des Traffic Controllers. Als wir nun in die etwas dichter besiedelten Gegenden an der Ostküste kamen, wunderten wir uns bald wie viele Menschen auf einer Baustelle beschäftigt sein können. Mal abgesehen von den wirklichen Bauarbeitern stehen dort meist mindestens zwei „Traffic Controller“, die sich den Tag damit vertreiben ein Schild mal auf „Stopp“ und mal auf „Slow“ zu drehen. Wozu Ampeln? Das schafft doch Arbeitsplätze!

Traffic Controller - Australien

Wenn man das alles auf der Straße überstanden hat und mal eine Reparatur für sein Auto benötigt (als ob wir das jemals nötig gehabt hätten), fängt ein neuer Spaß an. Zunächst sucht man sich eine der doch an Vielzahl angesiedelten Werkstätten aus und fragt, ob man sich das Problem nicht mal ansehen kann. Im Normalfall kann man schon für den Check eine Wartezeit von mindestens einer Woche einplanen und Geld wollen sie auch noch haben, um einmal „drunterzuschauen“. Wenn man doch tatsächlich so doof war und eine Woche gewartete hat, sollte man mit der Erwartung wieder auftauchen weitere drei Wochen einzuplanen, um die tatsächliche Reparatur vornehmen zu lassen. Nur im besten Fall, wenn du genauestens weißt, was kaputt ist und zu einem Spezialisten gehst (z.B. nur für Reifen), kannst du Glück haben sofort dranzukommen.

Häuser & Wohnen

Vor allem in Queensland sind uns die besonderen Bauarten der Häuser aufgefallen. Zunächst waren wir sehr verwundert, dass, obwohl die Häuser so einfach gebaut sind, sie genauso teuer sind wie in Deutschland. Die Wände bestehen meist nur aus dünnem Holz oder Gipsplatten und sind in keiner Weise mit einem deutschen Haus zu vergleichen. Kenny und Louise berichteten uns sogar, dass es teilweise günstiger ist, Grundstück und Haus einzeln zu kaufen und das Haus auf einem Hänger zu transportieren. Naja bei Sperrholz wohl möglich. Die Frage ist wie lange so ein Haus bei einem Tornado durchhält oder wie kalt es darin wird, wenn doch mal das Klima spinnt.
Zusätzlich bauen die Queensländer ihre Häuser oft auf dünne Stelzen. Manchmal mag man meinen, dass diese Konstruktion sehr unsicher ist, scheint jedoch sehr beliebt zu sein. Diese Bauweise scheint auch einleuchtend, wenn man mal 100 Jahre zurückblickt. Denn zu dieser Zeit gab es noch keine Klimaanlagen und der „Stelzenbau“ lieferte eine natürliche Kühlfunktion. Die Luft kann unter dem Haus durchziehen und kühlt somit das Haus auf natürliche Weise. Heute werden die freien Räume eher verkleidet und als Garage genutzt, da man ja auch die Klimaanlage zur Kühlung verwenden kann.

Einkaufen

Die ersten Einkaufstage in Oz waren für uns die Hölle. Die Preise erschienen uns extrem hoch und selbst für die einfachsten Produkte muss man fast ein Vermögen ausgeben. Im Northern Territory war das alles sehr extrem, in Richtung Ostküste wurden die Lebenshaltungskosten im Allgemeinen etwas günstiger. Jedoch sind Preise für Milchprodukte (z.B. günstigster Yoghurt ohne Angebot 100g $1,50), Kaffee, Wurst, Fleisch und Brot immer noch sehr hoch. Nach ein paar Mal einkaufen, weiß man jedoch, welche Produkte und Marken erschwinglich sind und dass man in großen Mengen einfach billiger einkauft (bsp: any 3 for $5).
Als geübte Kaffeetrinker war es für uns auch eine große Umstellung sich an Instantkaffee zu gewöhnen. Die ersten Versuche durch einen Percolator einen normalen Kaffee zu kochen, erschien uns nach einer Weile doch recht aufwendig und lange nicht so köstlich wie normaler Filterkaffee. Aus diesem Grund sprangen wir doch nach mehrmaligen Probieren bei Couchsurfern auf Instantkaffee um. Wir bezahlen für 500g Kaffee $11, wenn es im Angebot ist. Dieser reicht bei ca. 1-2 Tassen Kaffee am Tag für ca. 6 Wochen.
Eine weitere sehr lustige oder kuriose Geschichte ist die günstige Alternative zum teueren Bier aus dem Bottle Shop. Im Supermarkt kann man alle nötigen Zutaten und Materialien zum Selbstbrauen von Bier bekommen. Vom „Bierpulver“ über Kronkorken bis hin zu kleinen Bierfläschchen erhält man hier alles zum Brauen. Wir haben es selbst noch nie probiert, steht aber schon auf der To-Do Liste für Australien.
Für Yvi ganz schlimm: Bücher sind unheimlich teuer. Zwar findet man in Secondhand-Läden oder an Tauschstationen schon mal eins für $2, aber die sind dann meist auch schon 30 Jahre oder älter. Im Normalfall kostet ein neues Taschenbuch zwischen $20-40 und sogar in speziellen Secondhand-Buchläden bezahlt man für 10 Jahre alte Taschenbücher noch $8-10. Manchmal bekommt man $2-3 Rabatt, wenn man das Buch nach dem Lesen wieder hinbringt, ist jedoch irrelevant für uns.

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Natur

Was uns gleich aufgefallen ist, ist, dass es recht früh dunkel wird in Downunder. Vor allem im Winter war es oft schon 18.30 Uhr dunkel, was natürlich nicht ungewöhnlich für Winter, aber fürs Campen doch sehr hinderlich ist, da man sich recht früh einen Schlafplatz organisieren muss, um sein Zelt nicht im Dunkeln aufzubauen und noch was zu sehen beim Kochen. Der Sonnenuntergang ändert sich auch nicht sonderlich im Frühling, zwar geht die Sonne jetzt aufgrund von Umstellung auf Sommerzeit (Nur in NSW und Victoria) und der warmen Jahreszeit erst 20 Uhr unter, jedoch ist das wohl die maximale Helligkeitsstufe. Also nichts mit lauen Sommerabenden bis 22Uhr.
Außerdem ist Australien nicht nur im sprichwörtlichen Sinne das Land der Extreme. Bis jetzt haben wir schon so viele verschiedene Landschaften erblickt und das nur in einem Land. Von Fast-Wüste über Regenwald und Berglandschaft bis hin zu gigantischer Küste war alles dabei. Momentan erleben wir die gemäßigte Zone mit Wiesen und Wäldern fast im deutschen Stil, aber doch ganz anders. Wir freuen uns auf die nächsten Extreme, die uns noch erwarten in geraumer Zukunft. Manchmal muss man nur 100km weiterfahren und schon sieht alles ganz anders aus. Das ist das, was Australien so spannend macht.

kurioses-1080344 Glasshouse Mountains kurioses-0523

Sprache

Um den Aussie-Slang zu verstehen, muss man doch ein Studium belegt haben, möchte man meinen. Das hat ja nun rein gar nichts mehr mit Englisch zu tun. Versucht man herauszufiltern, was „hauyugoing“ zu bedeuten hat, muss man erst jeden einzelnen Buchstaben analysieren, um herauszufinden, welches Wort dahinterstecken könnte. Außerdem benutzen die „mates“ auch ihre ganz eigenen Worte oder kürzen vorhandene ab. Da kann ein Ausländer nur sagen „Bloody fuckin‘ aussi english“ :)
Städte wie Bribane, Rockhampton oder Bundaberg werden ganz einfach zu Brissie, Rocky oder Bundy und die Aussprache hört sich an wie bei einem Kaugummi kauenden Kamel.

Verschiedenes

Abgesehen von den verschiedenen oben genannten Kategorien sind uns noch andere Seltsamkeiten des Landes aufgefallen.
Zunächst ist die Trink- und Rauchkultur hier ziemlich untergegangen. Sich ein Gläschen Wein und ein Zigarettchen am Abend zu gönnen ist purer Luxus, von Bier mal ganz abgesehen. Die billigste Flasche Wein gibt es hier für $6, das billigste Sixpack (6×0,375ml) für $ 13 und das Päckchen Tabak (30g) für ca $22. Na dann fröhliches Geldausgeben bei der nächsten Geburstagsfeier. Zusätzlich gibt es viele öffentliche Plätze, an denen das Trinken und Rauchen vollkommen verboten ist. Die freien BBQ-Stellen sind also eine reine unalkoholische Angelegenheit. Da waren wir auch schon bei dem nächsten Thema. Es gibt in ganz Australien oder zumindest da, wo wir schon waren, kostenlose Einrichtungen für Traveller und/oder Bewohner. Öffentliche Toiletten sind niemals kostenpflichtig, mit Gas betriebene BBQs stehen kostenfrei zur Verfügung und sogar Outdoor-Fitnessareale und Schwimmbäder kann man kostenlos besuchen. Teilweise findet man vor allem in Nähe von Highways auf beliebten Reisestrecken auch kostenlose Campingplätze, die von der Ausstattung ganz unterschiedlich sind. Wir haben schon von einer einfachen Wiese bis hin zu Einrichtungen mit Dusche und Strom alles gesehen. Auf unserem jetzigen Campingplatz, der mit $44 pro Woche ja auch fast geschenkt ist, gibt es sogar die Waschmaschinennutzung umsonst. Das Kuriose an australischen Waschmaschinen ist nur, dass diese meist nur kalt und nur für 15 Minuten waschen. Dabei wird keine Wäsche richtig sauber, vor allem nicht die Arbeitsklamotten. Wir als Deutsche wissen ja wies eigentlich funktionieren muss und kippen noch 3 Eimer heißes Wasser dazu und waschen dreckige Klamotten halt drei Mal.

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Ebenfalls zu bemerken ist der Faible für Großes in Australien. Nicht nur die Kaltwaschmaschinen sind groß, sondern auch Touristenattraktionen und Denkmäler. Es gibt die Big Banana, den Riesenstiefel, Big Pinapple und noch viele mehr. Auch Straßen, Häuser, Autos, Roadtrains und viele andere Sachen haben hier viel größere Dimensionen als in Europa. Wahrscheinlich haben sie hier einfach zu viel Platz und zu wenig Menschen. (Man bemerke: 21 Millionen Einwohner und 4 Millionen Backpacker jährlich). Außerdem ist die Einwohnerverteilung sehr amüsant zu verfolgen: Nehmen wir als Beispiel Western Australia, welches Bundesland fast halb Australien abdeckt. Es leben in dem riesigen Bundesstaat nur zwei Millionen Menschen und ca. 1,5 Millionen davon in Perth, der Hauptstadt des Bundesstaates.
Zuletzt und als wichtigster Unterschied zu Deutschland muss man die Mentalität der Aussis nennen. Die Menschen hier sind immer für ein Schwätzchen aufgelegt (auch, wenn du sie noch nie gesehen hast), unheimlich hilfsbereit und gastfreundlich und nehmen dich gleich auf als wärest du Teil der Familie.

Big Banana - Coffs Habour Big Gumboot - Tully Australien kurioses-1080762

Kommentare

3 Antworten auf „Kurioses und Unterschiede zwischen Deutschland & Australien“

  1. Super Bericht :) da kommen wirklich Erinnerungen hoch. NZ und OZ ähneln sich schon sehr. Denkt aber immer dran … auch wenn das ein oder andere manchmal etwas nervt aber zurück in Dtl. werdet ihr diese Extreme und das Außergewöhnliche plötzlich vermissen.
    Anonsten macht weiter so und genießt die Zeit. LG und bis bald

  2. Super Beitrag!

    Die Preise für Alkohol und Zigaretten zeigen, dass die Deutschen viel zu viel meckern, obwohl diese »Genussmittel« hierzulande ja im Vergleich echt geschenkt sind. ^^

    Viele Grüße, Fabian

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