Melonen, Melonen und nochmals Melonen

Auch wenn unsere Zeit momentan nicht die Spannendste für uns ist und auch für euch als Blogverfolger, wollen wir euch ein wenig auf dem Laufenden halten, was in unserer doch auch prägenden Phase in Australien so passiert.
Damit wir auch was mitnehmen aus dieser Zeit, fragen wir natürlich immer fleißig unseren Melonen-Bauern, wie das mit den Melonen eigentlich funktioniert. Falls ihr euch nicht für Melonen interessiert, überspringt einfach den nächsten großen Absatz.

Wassermelonen werden unter einer schwarzen Palstikfolie angebaut, damit sie genug Hitze bekommen und nicht komplett von Unkraut befallen werden. Diese Plastikfolie wird mit dem Traktor und einer bestimmten Pflüg-Maschine verlegt, bei dem Arbeiter hinter der Maschine sitzen, um die Plastikfolie mit Druck auf den Boden zu pressen. Gleichzeitig werden kleine Hügel aufgeschichtet, in denen die Wasserleitung (pipes) in meist 20cm Tiefe verlegt sind. Die Melonen wachsen also auf einer erhöhten Ebene, die mit schwarzem oder weißem Plastik bedeckt ist und durch eine unterirdische Wasserleitung mit Feuchtigkeit versorgt wird.

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Mit einem „Planter“ werden die Hügel bepflanzt. Der Planter ist ein Traktoranhänger, an dem drei Sitze befestigt sind. Ein Schaufelrad, was vor jedem Sitz angebracht ist, sticht Löcher in das Plastik und befüllt sie mit Wasser. Die Arbeiter, die sich auf den Sitzen befinden ( wir ;)) stecken nun die 5 – 15cm großen Jung-Pflanzen in die Löcher und bedecken sie mit Erde. Der Traktor fährt hierbei mit einer Geschwindigkeit von 1,6 bis 2 km/h.

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Beim Pflanzen muss man achtgeben welche Pflanzen man setzt. Man pflanzt im Verhältnis: 3 früchtetragende (seedless) und 1 bestäubende (polinator) Pflanze. Für jede Pflanze gibt es bestimmte Löcher (die Abstände sind verschieden).
Sind die Pflanzen erstmal im Boden, mussten wir sie nach einer Zeit zurück aufs Plastik legen (shifting/moving vines), damit die Bauern die Wege zwischendrin sprühen konnten. Auch die Taktorwege (road ways) müssen regelmäßig von den Pflanzen befreit werden, auch, wenn sie schon sehr groß sind. Schön ist es, wenn man beim Melonendrehen mit den betrunken Eltern telefoniert, dann vergeht die Zeit umso schneller.

Vorher Nachher

Es dauert vom Setzen bis zur ersten Ernte (harvest) ca. 8-10 Wochen. Die Ernte zieht sich für ein kleines Feld über einen Monat hin, da jeder Teil 3 Mal geerntet wird, weil noch Melonen nachreifen.
Wenn sie einmal geerntet sind, können sie das Jahr darauf nicht wieder auf dem gleichen Boden angebaut werden. Ein Feld wird immer in einem bestimmten Zyklus verwendet: 1. Jahr Melonen, 2. Jahr Kürbis, 3. Jahr Weizen oder Hafer und im 4. Jahr Brachland oder Schafweide. Wir haben uns schon die ganze Zeit gefragt, warum unser Melonen-Bauer Peter Grech Gründstücke hat, die so weit auseinander liegen (bis zu 50 km). Die Antwort liegt darin, dass er sich jedes Jahr neues Land mietet, damit er Melonen anbauen kann und kein näheres Melonenland gefunden hat.
Nach doch mittlerweile acht Wochen hier haben wir immer wieder etwas Neues gelernt. Seit ca. 2 Wochen dürfen wir jetzt auch Wasserleitungen mit Verbindungsstücken reparieren (fixing pipes). Unsere Peters (beide verantwortlichen Personen heißen so) haben sich auch jetzt neue Backpacker geholt, die wahrscheinlich 3 Wochen unsere Drecksarbeit (vor allem Melonen bewegen) machen können, während wir aufsteigen und im Schuppen beim Melonenwaschen helfen dürfen. Wenn die Arbeit nicht so schlecht ist, bleiben wir vielleicht noch ein bisschen länger, um ein wenig Reservegeld zu verdienen.

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Wenn wir gerade mal nicht bei unseren Peters arbeiten durften oder konnten, waren wir auch öfter mal bei Familie Galea’s, von dessen Sohn wir auch zu Silvester eingeladen wurden. Die Farm gehört einem älteren Ehepärchen, deren Söhne ebenfalls dort arbeiten. Wir haben schon einmal über die schreiende Frau Jane berichtet. Sie bauen alles mögliche an. Es gibt Salat, Brokkoli, Melonen, Kürbis, Weizen, Schafe und wahrscheinlich noch vieles mehr. Auf der Farm herrscht deutlich mehr Struktur und Organisation, aber dadurch auch mehr Stränge. Unsere Pausen und unser Arbeitstempo wird genau kontrolliert und beäugt.

Ebenfalls eine sehr lustige Situation gab es vor ca. drei Wochen. Peters hatten zwei Tage nichts für uns zu tun und wir halfen beim Weinstöcke-Beschneiden (desuckering) aus. Am ersten Tag fragte uns Phill, ob wir das nicht als Extra-Arbeit generell weitermachen möchten, wenn wir mal kurze Tage haben. Er würde uns 5 Cent pro Baum bezahlen. Wir zählten die Bäume, die man in einer Stunde schaffen kann und errechneten uns bei 150 bis maximal 250 Bäumen pro Stunde einen Stundenlohn von $7-12,50 minus Steuern für echt harte Arbeit und lehnten dankend ab. Eine halbe Woche später füllte sich unser Campingplatz rasant mit jungen Backpackern aus Deutschland, Canada, Italien, Norwegen und Frankreich. Hier war richtig was los. Das Erschreckende war, dass sie alle für Phill und für 5 Cent pro Baum arbeiteten. Manche kamen bei 8h Arbeit am Tag mit gerade mal $40 zurück und waren sehr enttäuscht. Die meisten beäugten uns mit neidischen Blicken, da wir nach Stunden bezahlt werden, waren aber trotzdem sehr nett. Sie ergatterten eines Tages ein Karton mit 24 Mini-Flaschen Bier umsonst, da es ein paar Tage abgelaufen war und wir verbrachten einen lustigen Abend (nach 3 mini Bieren auf fast nüchternen Magen und nach 8h Arbeit waren wir schon gut angeheitert).
Nach einer Woche beschissener unterbezahlter Arbeit war es für die Backpacker schon vorbei, da Phill nicht wie versprochen 2-3 Wochen Arbeit hatte. Sie zerstoben sich in alle Himmelsrichtungen, um weiter Arbeit zu finden. Zwei deutsche Mädels brachen auf, um auf einer 800km entfernten, mitten im Outback liegenden und 400ha grossen Kamel-Farm für $250 pro Woche zu arbeiten. Die meisten anderen versuchten es hier in der Nähe mit Kirschenpflücken. Und schwuppdiwupp waren wir wieder alleine.

Danach ging es bald auf Weihnachten zu, wovon wir auch noch gar nicht berichtet haben. Unsere Stimmung vor Weihnachten war doch etwas trübe. Wir vermissten unsere Freunde und Familien, die weihnachtliche Stimmung und die Weihnachtsmärkte. Noch nicht mal Verdrängen war uns vergönnt, da es die ganze Zeit regnete und wir sehr wenig arbeiten konnten. Wir versuchten die Tage mit Filmen, Büchern und Hörbüchern rumzukriegen, während der Regen auf unser Zelt prasselte.
Weihnachten an sich haben wir uns aber eigentlich schön gemacht. Heiligabend (wir mussten bis 18.30 Uhr arbeiten) verabredeten wir uns mit Beau, ein Typ von Cornerstone, mit dem wir immer zusammen arbeiten, und machten Mitternachtspizza mit selbstgemachtem Teig von Lars. Dazu gab es Salat, Cola und einen schönen Film. Nicht das typische Weihnachten, aber trotzdem ein schöner Abend.

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Zusätzlich wurden wir von Phill, unserem Arbeitgeber, zum Weihnachtslunch am nächsten Tag in seine Familie eingeladen. Dort verbrachten wir einen echt schönen Tag, der doch ein wenig was von Weihnachten hatte. Wir unterhielten uns mit Phill, seiner Frau und seinen Eltern und beobachteten die bezaubernden drei kleinen Töchter beim Spielen mit ihren neuen Spielsachen. Der mitgebrachte deutsche Apfelkuchen ist wie immer gut angekommen und wir erhielten sogar eine Einladung zum Haus von Phills Eltern, wenn wir weiterreisen. Sie waren auch diejenigen, die uns mit einem neuen Spiel angesteckt haben. Wenn wir nach Hause kommen, müssen wir unbedingt nach „Blokus“ suchen.

So, Weihnachten und Silvester sind nun auch schon vorbei und wir haben beides hier, wenn auch mit ein wenig Heimweh, überlebt. Jetzt wird das Wetter auch endlich bombig mit 35-45 Grad und blauem Himmel und wir hoffen noch auf zwei bis drei Wochen harte Arbeit, damit wir dann mit ordentlich Reisebudget weiterreisen können.

Kommentare

Eine Antwort auf „Melonen, Melonen und nochmals Melonen“

  1. Bericht ist sehr spannend und schön, Bilder natürlich auch, weiter so, freu mich jede Woche auf einen neuen Eintrag…

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