Der schöne Westen – alles Naturkommerz

Nach einer erholsamen Pause in Franklin, die wir zum Teil mit Bootbauen verbracht haben, ging es für uns wieder in Richtung Norden, diesmal auf der westlichen Route.
Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschlossen wir uns den Umweg zum Lake Pedder auf uns zu nehmen. Somit konnten wir zumindest einen kleinen Teil des Southwest National Parks, eines der letzten grossen , unberührten Gebiete mit Urwäldern auf Erden, entdecken. Der größte Teil des Parks ist nicht mit Strassen versehen und somit nur zu Fuß zu erkunden. Da wir aber nicht vier Wochen im tasmanischen Busch wandern wollten, entschieden wir uns für diese Alternative. Diese einzige Strasse existiert eigentlich auch nur, weil in den Siebziger Jahren ein riesiger Staudamm in dem Gebiet gebaut wurde. Der ursprüngliche Lake Pedder ist nicht mal ein Zehntel so groß wie der heutige.

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Wir fuhren die 100km lange und einsame Strasse bis Strathgordon und informierten uns erst ein wenig über die Gegend. Die einst mit 2000 Einwohner besiedelte Stadt wirkt heute mit seinen gerade mal 30 wie eine Geisterstadt. Nur die rollenden Heuballen fehlten. Wir entdeckten nach kurzer Zeit den einzigen Campingplatz „Teds Beach“ und genossen die wunderschöne Aussicht am See. Der Nachmittag war lauwarm und wir erfreuten uns an der Sonne, die nach zwei Regentagen in Franklin auch wirklich wieder notwendig war. Leider wurde es abends und nachts mal wieder bitterkalt und wir entzündeten verbotener Weise ein kleines Feuer. Sogar die Pademelons, kleine Bergkängeruhs, gesellten sich zu uns ans Feuer, da es sonst überall zu kalt war. Auch der Rückweg am nächsten Tag war malerisch. Wir fuhren an riesigen Berggruppen und Felsen vorbei und konnten tief ins Tal blicken.

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Der Tag führte uns weiter über ein Höhenplateau, in dem irrsinnig viele Seen beheimatet sind. An jeder Ecke waren Bootsrampen und Angelzeichen zu sehen. Wir rasteten an einem schönen See bevor wir letztendlich den berühmten Lake St. Claire erreichten, der zwar der tiefste See Australiens mit mehr als 150m Tiefe ist, aber sonst nicht so viel schöner aussieht als alle anderen Seen. Wir machten einen kleinen Spaziergang durch Den angegliederten Wald und ein wenig am See entlang. Die 18km Wanderung zum Mount Rufus haben wir uns jedoch gespart. Wir sparten uns auch das Geld für den überteuerten National Park Campingplatz und schliefen am gegenüberliegenden See.

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Der nächste Tag fing schon sehr grau an, nicht ein Fünkchen Himmel war zu sehen und wir packten schnell unser Zelt ein, damit der aufkommende Regen nicht alles durchnässt. Vorerst hielt das Wetter aber noch einigermassen stand. Wir erwanderten uns eine nette Aussicht auf die Umgebung des Franklin Gordon National Parks und auf die süßen Nelson falls.

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Gegen Mittag erreichten wir die hässliche Stadt Queenstown. Die Region um die Bergbaustadt für Kupfer sieht aus wie eine Mondlandschaft. Durch die frühere Luftverschmutzung wächst auf den Hügeln drumherum kein oder nur sehr wenig Grünes. Wir erhofften uns hier einen Woolworths und eine günstige Tankstelle, da es dies bis jetzt in jeder Stadt Tasmaniens über 1500 Einwohner der Fall war. Leider hatte Queenstown mit 2200 Einwohner nichts dergleichen zu bieten und wir mussten teuer bezahlen.
Vor der Stadt gab es jedoch eine Aussichtsplattform, von der man Tief in ein Bergbau-Tal schauen konnte. Wir entdeckten einen wahnsinnig blau aussehenden kleinen See der von Kupfer-schimmernden Wänden umgeben war.

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Wir entschlossen uns nicht nach Strahan zur Westküste zu fahren, da wir hörten, dass dies eh nur ein touristisches Dörfchen ist und es nicht Viel zu sehen gibt, es sei denn du hast viel Geld. Also führte uns der Weg weiter nach Norden und wir fanden einen Platz zum Campen auf einer Staumauer, nicht gerade der gemütlichste Platz auf dem Beton, aber die Plätze am See waren leider alle schon belegt. Wir schafften es gerade noch so unser Zelt aufzubauen, bevor es anfing wie aus Eimern zu gießen. Selbst nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf wollte es nicht aufhören. Wir bekamen das launische Westküstenwetter richtig zu spüren. Nach Kochen und Angeln im Regen (die Fische sind bei Regen auch zu faul zum beißen), kroch uns nachts auch noch ne Maus in den Motorraum.

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Alles halb so wild, am nächsten Tag ging’s weiter. Wir kamen gegen Mittag im Cradle Valley im Cradle Mountain National Park an und erschreckten. So einen kommerziellen Naturpark haben wir noch nie gesehen. Gott sei Dank hatten wir einen 2- Monatspass für alle National Parks, ansonsten hätten wir $60 pro Tag Eintritt blechen müssen, nur um ein wenig wandern zu gehen. Auf dem Parkplatz am Visitor Information Centre wurden Touristen mit Bussen in Scharen hergefahren und der komplette Parkplatz war voller Autos. Wanderkarten gab es natürlich nur gegen teuer Geld und um Informationen zu erhalten, musste man sich lange anstellen. Falls man noch beabsichtigte den 70km langen Overland Track zu laufen, musste man diesen buchen und noch einmal extra bezahlen. Haben wir irgendwas verpasst oder muss man in Deutschland auch für Wanderwege bezahlen?
Um den Park zu betreten, mussten wir durch ein Boomgate, wo mit roter Leuchtreklame vor Strafen bei Nichtbezahlen des Parkeintritts hingewiesen wurde. Nun gut, wir schlossen uns trotzdem der Masse an, auch wenn das rein gar nichts mehr mit ruhigem Naturgeniessen zu tun hatte.
Als aller erstes entdeckten wir unseren ersten wilden lebendigen Wombat auf den Bergwiesen und Yvi rannte ihm mit der Kamera hinterher, um ein Bild zu machen.

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Danach schauten wir uns die nachgebaute Waldhütte von Gustav Weindorfer an. Ihm ist es zu verdanken, dass dieses Gebiet zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Vor 102 Jahren kaufte der Österreicher ein grosses Gebiet um den Cradle Mountain und bestimmte, dass dort nichts verändert werden durfte. 1922 wurde es schliesslich offiziell zum National Park erklärt. In den Achziger Jahren gab es einen riesigen Streit darum, ob dort eine Staumauer gebaut werden darf oder nicht. Letztendlich wurde bei den anstehenden Wahlen die Regierung gewählt, die sich dagegen stellte. Auch heute sind noch viele Tasmanier für die wirtschaftliche Erschliessung der westlichen National Parks, da sie aber nun zum Teil zum Weltnaturerbe zählen, stehen die Chancen wohl schlecht.

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Es war faszinierend sich vorzustellen wie Weindorfer früher mitten in der Wildnis in seiner selbstgebauten Chalet gelebt haben mag. Vor der Hütte trafen wir das erste Mal Egon aus Hamburg. Der pensionierte Biolehrer tingelt ein wenig durch die Welt und machte einen 5-tägigen Wanderstopp im Cradle Mountain National Park. Wir unterhielten uns ein wenig und er erklärte uns den Weg für unsere nächste Wanderung.

Diese führte uns nach einigen Kilometern auf dem Overland Track zum Crater Lake. Dieser See war in einem riesigen Krater gebettet und wirkte wie ein gewolltes Naturschwimmbecken. Wir entschieden uns nach langem Überlegen die weiteren 67km des Overland Tracks nicht zu laufen und wollten lieber mit dem Auto zum berühmten Dove Lake fahren. Vorher jedoch begegneten wir zum zweiten Mal Egon. Er war gerade mit seiner Wanderung im wilden Busch fertig geworden und wir tauschten Erlebnisse aus.

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Das Foto des Lake Doves ist sozusagen das Wahrzeichen von Tasmanien. Als wir dort ankamen, war die Aussicht wirklich wunderschön und wir genossen unser Mittagessen direkt am Ufer bei Sonnenschein. Aber kurz darauf waren wir Zeuge des typischen Wetterwechsels in der Region, denn 10 Minuten später zogen schon deutlich dunklere Wolken auf.

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Wir schafften es gerade noch so Egon ein drittes Mal zu treffen. Er zeigte uns diesmal ein Video, was er kurz vorher aufgenommen hatte. Dabei hatte er einen Wombat gefilmt, wie er frecherweise auf den Boardwalk sein Geschäft erledigt hatte und dann schnurstracks durch Egons Beine gewatschelt ist. Egon versprach uns ein Bier, sollten wir uns nochmal treffen. Leider kam es dazu nicht, denn nachdem wir gerade noch so den Lake Lilla erreichten, begann es in Strömen zu regnen und wir mussten den Wanderweg zurück zum Auto rennen. An dieser Stelle: Grüsse an Egon! Vielleicht können wir das Bier in Hamburg nachholen.

Etwas durchnässt verließen wir die regnerischen Berge und fuhren zur sonnigen Nordküste. Wir suchten uns einen wirklich netten Campingplatz in der Versorgungsstadt Burnie und brachen gegen Abend in die Stadt auf. Zunächst verschlangen wir bei McDonalds ein riesiges Frustmahl, da wir diesmal aufgrund zu später Buchung fast das doppelte für die Fähre hinblättern mussten als für die Hinfahrt (ganze $430 für einen Weg, ist das nicht fast unverschämt!?). Danach fingen wir uns aber recht schnell wieder und nahmen an der kostenlosen Pinguin- Führung teil. Dadurch, dass die kleinsten Pinguine der Welt in den Gärten der Bewohner genistet haben, die das aber aufgrund des Geruchs und des Lärms nicht so schön fanden, gründete sich mit Hilfe von Spenden der Bewohner eine Initiative, die sich um die kleinen Kerle kümmert. Direkt am Strand bzw. dort, wo sich Steine am Strand sammeln, wurden Pflanzen gesäht und Niststellen gebaut. Jeden Abend können sich Touristen oder auch Einwohner einfinden, um die kleinen Kerle und ihre Kinder zu beobachten. Es tun sich immer ein Männchen und ein Weibchen zusammen, um Kinder aufzuziehen. Dabei müssen aber die Kinder nicht unbedingt die leiblichen des Vaters sein, da er wohl mehrere Weibchen befruchten kann. Nun wechseln die Eltern sich ab mit der Futtersuche. Jeweils einer schwimmt früh am Morgen bei Sonnenaufgang hinaus aufs Meer und kommt abends, wenn es dunkel ist, mit Futter für sich selbst und für die Kücken wieder. Das andere Elternteil geht an diesem Tag leer aus. Am nächsten Tag geht der andere los.

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Wir hatten die Ehre zwei kleine Kücken zu sehen und konnten auch beobachten, wie ein Elternteil über die Steine zurück zum Nest gewatschelt kam. Dies hat eine lange zeit in Anspruch genommen, da es für die Minipinguine wohl eine ganz schöne Anstrengung ist die Steine zu erklimmen. Viele Pausen waren nötig, um den ganzen Weg letztendlich hinter sich zu bringen. Leider konnten wir keine Pinguinkücken fotografieren, da es schon stockfinster war und die roten Lampen der Führer nicht ausreichten, um genug Licht zu erzeugen. Das untenstehende Bild haben wir vor der Führung aufgenommen. Diese Pinguine waren wahrscheinlich zu früh dran, da war es noch etwas heller und Fotos waren möglich.

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Den letzen Tag in Devonport nutzen wir nur, um uns ordentlich auszuruhen und uns in Gedanken schon von Tasmanien zu verabschieden. Wir machten uns lecker Burger und bekamen im Takeaway nebenan eine riesige Portion Pommes für gerade mal $3.

Heute sitzen wir wieder auf der Spirit of Tasmania. Diesmal waren wir früh genug da, um noch einen gemütlichen Platz zu erhaschen. Ein wenig traurig waren wir schon, als das Schiff vom Hafen ablegte und wir nach zwei Wochen die schöne Insel wieder verlassen mussten. Wir haben uns zwar oft genug über das kühle und nasse Wetter geärgert und auch über den Kommerz in einigen National Parks, jedoch war der Besuch auf der kleinen Insel schon eine schöne Zeit und sie hatte einige wirkliche Schönheiten zu bieten.

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Kommentare

5 Antworten auf „Der schöne Westen – alles Naturkommerz“

  1. Hallo Zufälle gibt’s, die gibt’s nicht. Ich würde mich freuen wenn Ihr diesen Eintrag posten könntet und Egon meine Email-Adresse gebt.

    Egon war in Curslack-Neuengamme mein Klassenlehrer. Sooo klein ist die Welt. Hab mich riesig gefreut Ihn hier auf den Bildern wiederzusehen.

    Hast‘ Dich extrem gut gehalten Egon, lebt Dein alter R4 noch? :)

    Herzliche Grüße nach Hamburg aus Frankfurt von dem damals aufständischen
    Marcus

  2. hallo lars u.yvi, vielen dank fuer eure bilder u. das fantastische reiselog-buch.ihr seid je richtige profis. so was kann noch lernen;leider habe ich nur geringen zugang hier bei einem freund iin CYGNET bei Hobart. aber ich ja ende des monats in Hamburg. das treffen war und ist eine freude. wuensche euch noch gute reise zeit u. gesunde u. froehliche rueckkehr nach DRESDEN. See UエゴンBルM

  3. Ja, Egon haben wir auch auf Mallorca getroffen, der erzählt immer die gleichen stories….ihr trefft den bestimmt auch wieder auf der Fähre…

  4. …und wir haben wunderschöne Fotos gesehen und wissen nun auch, wie ein Wombat aussieht :-)
    Weiterhin alles Gute und viel Spass

  5. Diesmal wart Ihr wirklich sehr fleissig !!!!
    Ein wirklich schöner Bericht. Ich bin gespannt wie es weiter geht.
    Tschüss

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