Der Süden von Tasmanien

Unsere Reise führte uns in den letzten Tagen direkt nach Tasman Peninsula, die kleine Halbinsel, die südöstlich an Tasmanien hervorragt. Es erwartete uns zunächst eine riesige Felsküste. Beworben wird sie mit „Die steilsten Felsklippen in der südlichen Hemisphäre“. Schon gigantisch, was da in die Tiefe ragt. Neben zwei Aussichtspunkten, wo wir die ganzen Formationen bestaunen konnten, gab es auch noch spezielle Gebilde. Zuerst kamen wir wieder einmal zu einem Blowhole, wo das Wasser einen Spalt aus dem Stein geschürft hatte und es wieder ein paar Meter in die Luft spritzte, wenn die Wellen mit genug Schwung dagegen krachten. Deutlich faszinierender waren aber der Tasman Arch, der ein riesiges Tor aus Stein zum Meer darstellte und Devils Kitchen (Teufels Küche), wo das Wasser Massen von Gestein abgetragen hat und danach die Decke der Formation in sich zusammenfiel. Leider konnte man die Größe der „Küche“ nur schwerlich auf einem Foto festhalten.

Tasman Arch - Ein Felsklippenbogen

Der weitere Weg führte uns zu einer der ältesten Städte Australiens – Port Arthur. Früher diente sie und die ganze Halbinsel als natürliches Gefängnis, denn es gab nur eine ca. 100m breite Landenge, die sie mit dem Festland verband. Ein sehr geschichtsträchtiger Ort also. Jedoch erschreckten wir ein wenig, was wir vorfanden. Das Dorf an sich hat gerade einmal 300 Einwohner und ist nicht wirklich nennenswert. Die Attraktion sind die Ruinen des damaligen Gefängnisses, worum ein riesiger Kommerz gemacht wird. Es gibt so viele Parkplätze, dass zehn Mal so viel Einwohner dort Platz gehabt hätten und vor die Ruine wurde ein riesiger neumodischer Komplex gebaut, der für die Besichtigung $30 pro Person (Minimaleintrittspreis, es gibt noch mehr zu sehen) verlangt. Wir hätten uns gerne ein wenig über Australiens Geschichte informiert, aber für einen Ort, an dem sie damals ihre Gefangenen gequält haben, so viel Geld zu bezahlen, war es uns dann doch nicht wert. Von einem Aussichtspunkt schauten wir uns die Ruinen von ein wenig Entfernung an und fuhren weiter.

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Bevor wir unsere Nachtstätte erreichten, kamen wir an der Coal Mine Historic Site vorbei. Diese Kohlmine und deren Einrichtungen waren eine Außenstelle des Gefängnisses von Port Arthur. Und siehe da, die Ruinen konnte man kostenlos und ohne Touristenansturm entdecken. Wir krochen durch damalige Gefängniszellen, schauten uns Überreste der Offiziersbaracken an und staunten über die kleine Mine. Am interessantsten war jedoch der Signalmast, mit dem sie damals über mehrere Kilometer weit kommunizierten. Leider war dort im Wald keiner mehr zu sehen. Jedoch haben wir später in Hobart, bei der Antwortstation, einen entdeckt und dazu eine genaue Beschreibung wie sie damals Fahnen und verschiedene Anhänge an den Masten befestigt haben, um miteinander zu kommunizieren.

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Wie schon erwähnt, führte uns unsere weitere Reise nach Hobart, die südlichste Hauptstadt Australiens. Das süße Städtchen mit gerade einmal 200.000 Einwohner kam uns sehr klein vor, hatte aber ihren Charme. Wir fuhren zunächst über die prächtige Tasman Bridge, die das Zentrum mit einigen anderen Stadtteilen verbindet. Im Zentrum selbst schlenderten wir zunächst durch den Salamanca Place, wo einige georgianische Lagerhäuser zu Kunstgalerien und Geschäften umgebaut wurden. Vorbei am Parlament ging es dann Richtung Hafen. Mit Blick aufs Meer, Möwen und Yachten, gönnten wir uns eine Portion Fish & Chips und genossen das ruhige Treiben. Auf dem Weg zurück besuchten wir die städtische Art Gallery und Museum und lernten ein wenig über die Antarktis, die ja doch gar nicht so weit weg ist von hier (deshalb ist es hier wohl auch so kühl!?).
Wir versuchten vergeblich bestimmt eine Stunde den Aussichtspunkt vom Mount Wellington zu finden, doch nachdem uns unser Navigationssystem falsch gelotst hatte, nahmen wir einfach den auf den Weg liegenden Mount Nielson, der auch eine wunderschöne Sicht auf Hobart offenbarte.

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Weiter ging es danach Richtung Franklin im Houn Valley südlich von Hobart, wo wir Jolli und Georg aus Rostock wieder trafen. Wir haben die beiden beim Arbeiten kennen gelernt und wie es der Zufall will, sind sie immer noch auf Tasmanien und wir konnten uns wieder sehen. Jolli hat sich ein Praktikum in einem Verein besorgt, der mit freiwilligen Helfern Boote repariert. Georg sorgt nebenher für ihr Einkommen mit kleinen Jobs bei den Nachbarn und in einem kleinen Restaurant.
Die Nacht vorher verbrachten wir auf unserer ersten kostenpflichtigen Raststätte. Doch es hatte auch was gutes: wir fanden einen „travelling hairdresser“, der uns für jeweils $10 wieder ein wenig Schwung in die Haare brachte. Beim Haareschneiden hatten wir einen wunderschönen Blick auf den Huon River.

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Am nächsten Tag gab es ein herzliches Wiedersehen mit dem deutschen Pärchen und wir hatten uns viel zu erzählen. Bei Kaffee und Sandwich wurden Stunden geplaudert und Reiseberichte ausgetauscht. Am Abend kamen wir zum Vereinshaus, in dem Jolli gerade Praktikum macht, viele Freiwillige und es wurde fleißig an Booten rumgewerkelt. Lars konnte seine handwerklichen Fähigkeiten beweisen und ging voll auf in den kleinen Jobs. Er hatte sogar die Ehre mit Holz aus Huon Pine zu arbeiten, dass nur in Tasmanien geschlagen wurde. Mittlerweile steht diese Art der Kiefer (Pine = Kiefer) unter Naturschutz. Die Kiefer braucht 2000 Jahre und länger, um 30m hoch zu wachsen. Somit ist sie eines der am langsamsten wachsenden Bäume der Welt und auch eines der Beständigsten. Heute werden nur noch Teile des damaligen Bestandes, was noch nicht verrottet ist, oder angespülte Holzteile verwendet.
Yvi verkroch sich lieber in die Küche und half dort ein wenig mit. Der Abend wurde mit einem leckeren Essen und Wein für alle und noch stundenlange Gesprächen zwischen uns und Jolli und Georg beendet. Auch den nächsten Tag genossen wir im Verein und werkelten ein wenig weiter herum und reparierten Boote. Als Belohnung durften wir dann auch mal mit einem Boot herausrudern und den Nachmittag genießen. Der Blick in ein in sieben Jahren selbstgebautes Segelboot eines Vereinsmitglied war auch sehr beeindruckend. Er lebt seit Jahren darin und es sieht wirklich aus wie eine kleine gemütliche Wohnung.

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Wir hatten Glück, dass die Frau, bei der Jolli und Georg gerade auf das Haus aufgepasst hatten, sehr gastfreundlich war und uns ebenfalls erlaubte bei ihr zu wohnen. Somit hatten wir zwei deutschen Pärchen ein Haus für uns alleine und mussten als Gegenleistung nur Hunde und Katzen kuscheln, füttern und hinaus lassen. Wir fühlten uns wie in einem Ferienhaus und der zweite Abend wurde am Kamin mit einem Gläschen Rotwein versüßt.

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Morgen geht es dann weiter Richtung Westküste und wir sind gespannt, was uns in der Wildnis des Westens so erwartet.

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Kommentare

5 Antworten auf „Der Süden von Tasmanien“

  1. Ja, ist das wirklich so, schreibt man den „Tasman Arch“ wirklich so?

    Na ja, ansonsten sieht Tochter jetzt ja mal wieder richtig manierlich aus, gute Friseurwahl! Have fun

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