Von Melbourne bis Adelaide

Wieder auf dem Festland angekommen, nach einer 10-stündigen Fährüberfahrt, verabschiedeten wir uns gleich vom Trubel der Großstadt Melbourne und machten uns schon am selben Abend Richtung Great Ocean Road auf. Die ausgesuchte Rest Area war diesmal alles andere als schön. Der Highway zwischen Melbourne und Geelong ähnelte sehr einer deutschen Autobahn und somit kann man sich die Raststätte ja vorstellen. Da wir aber das Geld sparen wollten und es in den Abendstunden sowieso immer schwer ist noch einen Campingplatz zu bekommen, blieben wir.

Der nächste Tag führte uns zunächst in die zweitgrößte Stadt Victorias: Geelong. Der Sprung von der größten Stadt Melbourne mit ca. vier Millionen Einwohnern und Geelong mit gerade mal 100.000 ist doch sehr hoch, aber durchaus normal für Australien. Wir machten alle nötigen Besorgungen bevor es danach weiter auf der Great Ocean Road ging. Wir fuhren noch vor Anglesea durch ein errichtetes Tor, was uns zeigte, dass wir nun eine der bekanntesten Strassen der Welt befahren werden. Die Great Ocean Road wurde von 1919 bis 1932 von heimgekehrten Soldaten des ersten Weltkriegs gebaut. Die Regierung schaffte mit dem Bau Arbeitsplätze für alle heimgekehrten Helden, weswegen diese Strasse das längste Kriegsdenkmal der Welt ist. Vor dem Bau war das Land nur über Boote oder durch den Busch erreichbar.

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Der erste Teil der Strasse bis Otway Cape ließ uns staunen, wie nah die Strasse dem Wasser kam und wir schossen viele tolle Bilder von den zahlreichen Ausblicken an der Strasse. Von Lorne aus fuhren wir ein wenig in den Otway National Park hinein. Der erste Lookout führte uns zu einem wunderschönen Punkt direkt über der Great Ocean Road. Wir konnten sehen, wie sich die Strasse durch das Grün der Berge schlängelte, direkt an der Küste entlang.

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Als wir uns aufmachten zu den Erskine Falls, entdeckten wir auf einmal unsere ersten wilden Koalas. Einer hing bei einem Australier im Garten am Baum und schlief. Der nette Mann ließ uns in sein Grundstück, um Fotos zu machen und erzählte uns, dass er die kleinen Kerle schon vermisst hatte und sie erst in der letzten Nacht zurückgekehrt waren. Welch ein Glück! Einer der vielen Wasserfälle im Otway NP, die Erskine Falls, gefielen uns sehr und wir rasteten eine Weile am Grunde.

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Am Cape Otway angekommen, fanden wir nur einen schon geschlossenen Leuchtturm vor und kehrten enttäuscht um. Kurz danach erreichten wir einen niedlichen Caravan Park in Princetown, nur ein paar Kilometer von den zwölf Aposteln entfernt. Somit war uns garantiert, dass wir diese bei Sonnenunter- und -aufgang bestaunen konnten. Am Abend fuhren wir den kurzen Weg und tasteten uns erst die in eine Klippe gehauenen Treppen „Gibson Stepps“ herunter. Heute sind sie mit Beton etwas ausgebessert worden. Bei goldenem Licht bestaunten wir die riesigen Klippen und die, wie wir dachten, zwei Apostel. Nachdem uns auffiel, dass da doch ein paar Apostel fehlten und wir nach Nachfragen erfuhren, dass die wahren Apostel doch etwas weiter sind, rannten wir am Strand zurück und die Treppen wieder hoch.

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An den „wahren“ Aposteln angekommen, erwartete uns schon ein voller Parkplatz und eine Menge Menschen tummelten sich auf den gut ausgebauten Stegen, die als Aussichtsplattformen für die Steinformationen dienten. Gefühlt waren ungefähr Dreiviertel davon Deutsche. Man glaubt wirklich nicht recht wie viele Landsleute hier unterwegs sind. Wir unterhielten uns wieder mit einem älteren deutschen Pärchen, die fünf Wochen durch Australien, Neuseeland und Fidschi (Wer hat sich diese hässliche Rechtschreibung ausgedacht? :) reisen, Wahnsinn!
Nachdem es schon fast dunkel war, entdeckten wir, dass der Steg noch deutlich weiterführte und man sich die berühmten Apostel von vielen Perspektiven anschauen konnte. Aber zwölf waren es in Keiner. Man konnte nur sieben der zwölf erkennen.

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Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker schon halb sechs und wir krepelten uns aus dem Bett, um ja nicht den Sonnenaufgang zu verpassen. Wir wurden mit noch schönerem Licht und fast menschenleeren Stegen belohnt und genossen die einzigartige Aussicht.
Der weitere Tag wurde auch mit folgenden Steinformationen und Steilküsten gefüllt. Wir fuhren zunächst zum ersten Teil der „Shipwreck Coast“ und wanderten ein wenig auf den Klippen entlang. Vorerst wurde uns die Entstehung der Formationen erklärt. Diese Kalksteinfelsen entstanden vor vielen Millionen Jahren durch gepresste Meerestier-Skelette durch den Druck des damals höher liegenden Ozeans. Als der Meeresspiegel sank, war eine riesige Kalksteinplatte vorhanden, die aber im Laufe vieler Jahrhunderte vom Meer neu geformt wurden. Wir erblickten noch viele weitere interessanter Formen, die mindestens so eindrucksvoll waren, wie die Apostel.
Weiter ging’s auf den Spuren der Loch Ard. Dieses englische Schiff kenterte 1878 an der verhängnisvollen Küste und nur zwei der 55 Passagiere überlebten. Dies ist nur eine von vielen Schiffsunglück-Geschichten der Shipwreck Coast, doch auch die berühmteste. Wir konnten an einem Abschnitt sogar an den Strand gehen und uns die Klippen und ausgespülte Höhlen von Nahem anschauen.

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Nach dem kurzen Besuch der Great Ocean Road verschlug es uns wieder ein wenig nördlich in Richtung der beliebten Grampians, ein Gebirgszug, der sich prompt über Victorias sonst flachem Land erhebt. Unsere erste eindrucksvolle zwei Stunden Wanderung führte uns den steilen Weg hinauf bis zum Gipfel des Mount William. Von hier hatte man sowohl eine wundervolle Sicht auf die flachen Ebenen vor dem National Park als auch auf die Berge Mt Rosea, Mt Lubra und den Red Man Bluff im Vordergrund, die sich im Herzen des Parks befinden.
Die kleine Siedlung Halls Gap, die sich mitten im Park befindet, bot uns eine sehr interessante Ausstellung im Brambuk Cultural Centre. Es wurde nicht nur viel über die Kultur der Aborigines nahegebracht, sondern auch die schlimmen Zeiten der Verfolgung der Völker beleuchtet. Auch, um den Leuten deutlich zu machen, warum Aborigines sich nicht so leicht anpassen können und es schwerer mit Schule, Ausbildung und Alkohol haben.
Nach diesem geschichtlichen und kulturellem Ausflug zog es uns wieder in die Berge. Wir erreichten einen Parkplatz, von dem man die Wonderland Ranges erklimmen konnte. Bei 35 Grad und extremer Schwüle waren die 5km doch eine Herausforderung, der wir uns aber annahmen. Wir wanderten zunächst durch die steile Schlucht des Grand Canyon über viele Steine und Treppen bis wir das obere Plateau erreichten. Nach einem kurzen leichten Weg über Holzplanken, ging es wieder weiter über Stock und Stein den steilen Berg hinauf. Aber es wurde noch besser. Der Weg führte danach regelmäßig durch sehr enge Steinschluchten (Yvi blieb mit dem Rucksack hängen) und über riesige Felsbrocken.

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Doch mal ein etwas anderer Wanderweg. Nach zirka einer Stunde kamen wir verschwitzt und erschöpft bei „The Pinnacles“ an und genossen die schöne Aussicht auf das Halls Gap Valley. Nach dem Abstieg ergatterten wir uns gerade noch so einen Platz im völlig überfüllten National Park Campground und fielen bald darauf ins Bett.

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Am nächsten Tag brachen wir schon früh zu den berühmten McKenzie Falls auf und erwischten ein paar Jugendliche beim verbotenen Baden und konnten ein paar boxende Kängurus beobachten.

Danach erreichten wir nach kurzer Fahrt den Reed Lookout. Es war noch sehr früh und somit war es recht nebelig, weswegen wir leider nur einen weißen Ausblick hatten. Wir entschieden uns jedoch die kleine Wanderung zu den „Balconies“ auf uns zu nehmen. Zwar war immer noch alles weiß als wir ankamen, aber wir übten uns in Geduld und siehe da, es kam die Sonne raus und nach ca. einer halben Stunde hatte man zumindest eine Ahnung der tollen Aussicht.

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Die nächsten Tage führten uns weiter Richtung Westen und bald überquerten wir die Grenze zu South Australia, unserem vorletztem Bundesstaat. Wir holten uns alle nützlichen Informationen des neuen Territoriums und ließen es etwas ruhig angehen. Die erste Nacht verbrachten wir auf einer Raststätte mitten im Nichts, wahrscheinlich schon mal eine Kostprobe des immer näher schreitenden Outbacks in Western Australia. Wir genossen die Ruhe und den schönen Sonnenuntergang und trauerten um unseren letzten Aldi, den wir ein paar Stunden früher besucht hatten (Aldi gibt es in South Australia, Western Australia und im Northern Territory nicht).

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Der weitere Weg führte uns an Kingston’s Riesenkrabbe und an dem weniger spektakulären Coorong National Park.
Heute werden wir Adelaide erreichen und seit langem mal wieder bei Couchsurfern wohnen.

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Kommentare

3 Antworten auf „Von Melbourne bis Adelaide“

  1. Mal wieder tolle Bilder und miteinander tanzende Kängurus. Der Strand mit den Aposteln erinnert mich an die Algarve in Portugal. Viel Spaß noch.

  2. nachdem der Schmerz nun wieder nachlässt, kann auch ich wieder Eure tolle Reiseschilderung und die die fantastischen Bilder bewundern, weiterhin many fun on the road, bis zum nächstem mal

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