Planänderung

…Leider half auch kein Arschtritt mehr bei unserem Auto. Er sprang einfach nicht mehr an, wie sehr wir ihn auch triezten. Nach einigen Versuchen gaben wir resigniert auf und erinnerten uns an unsere tolle Mitgliedschaft bei RAA und riefen diese vom Tankstellentelefon aus auch gleich an. Vor Ort konnte leider nichts gemacht werden und so schleppten sie uns nur bis zum nächsten Caravan Park ab. So nebenbei erwähnte der Mechaniker, dass er über die nächsten zwei Wochen ausgebucht sei und wir es höchstens bei Repco, der einzigen anderen Werkstatt im Ort, versuchen könnten. Diese hatte aber leider am Ostermontag geschlossen und somit mussten wir eine unruhige Nacht mit daneben stehendem kaputten Auto auf dem Zeltplatz verbringen.

Am nächsten Tag erreichten wir die andere Werkstatt. Der Mechaniker versprach uns in einer halben Stunde vorbeizukommen. Nach zirka drei Stunden kam er auch endlich und konnte auf die Schnelle nichts feststellen und versprach uns unser Auto abzuholen, um in der Werkstatt genauer nachzusehen. Zwischendurch erkundigte sich RAA mehrmals wie es uns erginge und welche Benefits wir nun in an Anspruch nehmen möchten. Bis auf die Kosten der Übernachtung zu übernehmen war für uns leider keine andere Möglichkeit sinnvoll. Zurück nach „Hause“ (Südaustralien), 3 Tage Mietauto ohne Anbieter oder Transport zum Zielort ohne Autoüberführung sprach uns alles nicht an.

Nach 24h wurde auch endlich unser Auto abgeschleppt und nach vielen Telefonaten und Wartestunden kam heraus, dass es wie vermutet die Benzinpumpe ist und, dass er diese vorrätig hat, um sie einzubauen. Wir waren erleichtert. Der Einbau hat wiederum einen Tag gedauert, doch wir waren froh, dass er unsere Reparatur überhaupt noch zwischen die vielen Aufträge quetschen konnte.

Am nächsten Tag brachte uns der Hauptmechaniker höchstpersönlich das Auto zurück zum Caravan Park. Er meinte, sein Kollege traute sich nicht, dass Auto bis zu uns zu fahren (ganze 500m) und uns die Schreckensnachricht zu überbringen. „Hört ihr nicht wie euer Auto klingt?“ fragte er. Wir nickten und sagten ihm, dass wir schon recht lange mit dem Geräusch herumfahren und uns nie wirklich Gedanken gemacht haben (Also Lars schon, aber wir wollten nichts unternehmen, weil Lars schon geahnt hat, was kaputt sein könnte). Er berichtete uns, dass wir einen Getriebeschaden haben. „Ich würde keinen Kilometer mehr damit weiterfahren.“ sagte er und erschreckte uns damit ganz schön. Erst letztens habe er einen Kunden gehabt, dessen Auto genauso klang und welches dann nach zwei Tagen den Geist aufgab. Später im Büro erklärte er Lars, dass unser Getriebe neu nicht auftreibar ist (weil wir eben mitten im Outback waren) und es deshalb individuell zusammengebaut werden müsste.
Im schlimmsten Fall würde uns die Reparatur $4000 kosten. „Dafür bekommt ihr nen neuen Pajero Baujahr 93!“, sagte er noch. Wir waren ratlos. Alle unsere Pläne fielen auf einmal in sich zusammen. Keine Bungle Bungles, kein Tanami Track, kein Alice Springs, kein Uluru, kein Kings Canyon, keine Olgas, kein gar nichts.
Uns blieben nur zwei Möglichkeiten. Entweder hätten wir das Auto reparieren lassen können oder mit der Gefahr mitten im Outback stehen zu bleiben (RAA bezahlt auch nur ein Abschleppen bis 100km) weiter fahren können. Wir diskutierten einen Tag lang und entschieden uns letztendlich für die zweite Option. Es lohnt sich nicht in ein so altes Auto noch so viel Geld zu investieren, vor allem nicht, wenn man nur noch drei Wochen reisen wollte.

Wir packten unsere Sachen und fuhren am Freitag, den 13. (was für ein Zufall!) auf dem direktesten Weg nach Darwin. Wir benutzten nur den vierten Gang, da dieser noch am besten klang. Das Herz hörte nicht auf zu rasen und auch auf das Hörspiel konnten wir uns nicht konzentrieren. Wahrscheinlich sind wir schon mehr als 5000 oder 10.000km damit herumgefahren, aber in dem Moment, in dem man weiß, dass es etwas Schlimmes ist, geht man doch ganz anders damit um.

Nach zwei Tagen Dauerfahren und 1.200 km trafen wir wohlbehalten in Darwin ein und kehrten auf unseren günstigen Campingplatz in Coolalinga zurück, auf dem wir schon vor acht Monaten gewesen sind. Wir hatten dem Aberglauben getrotzt!

Die nächsten Anstrengungen widmen sich nun ganz dem Autoverkauf. Das Auto ist online gestellt und es gibt sogar trotz Getriebeschaden schon Interessenten, die sich das Auto diese Woche ansehen möchten.
Nebenbei wird noch ein Job gesucht, damit wir das verlorene Geld zurück erarbeiten können und entweder den Uluru noch nachholen oder uns zumindest in Asien eine schönere Zeit machen können. Yvi hat morgen schon zwei Vorstellungsgespräche als Nanny und Pflegerin und Lars hat eventuell sogar schon einen Job als Webdeveloper in Aussicht. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Eins sei noch gesagt: Da wir die Kimberley’s gar nicht bewundern und auch nicht den Tanami Track fahren konnten, werden wir wohl eines Tages wiederkommen, Australien! Verlass‘ dich darauf! :)

Kommentare

9 Antworten auf „Planänderung“

  1. Das ist ja echt ärgerlich. Aber seht es mal positiv: 3/4 Australiens habt ihr bereits bereist und der Rest rennt nicht weg. Ich folge Euch weiter auf Google Earth, auch wenn Ihr erstmal eine Arbeitspause einlegen müßt! Toi, toi, toi!!!
    Wuff-wuff von Xsie!

  2. Das ist ja echt ärgerlich. Aber seht es mal positiv: 3/4 Australiens habt ihr bereits bereist und der Rest rennt nicht weg. Ich folge Euch weiter auf Google Earth, auch wenn Ihr erstmal eine Arbeitspause einlegen müßt! Toi, toi, toi!!!
    Wuff-wuff von Xsie!

  3. Ist doch toll, dass Euer Auto trotz Getriebeschaden Euch einmal ganz um Australien gebracht hat. Viel Glück bei der Jobsuche, damit Ihr den Uluru vielleicht doch noch sehen könnt.

  4. na ihr macht ja was mit!!… aber das wird schon, toi toi toi :)
    und schöne heute mal sonnige grüße aus zella

  5. Oh mann, Getriebe is nachm Motor so ziemlich der Supergau, da hat Freitag der 13. aber echt schon im Vorfeld um sich gewütet! :(

  6. Oh mann, Getriebe is nachm Motor so ziemlich der Supergau, da hat Freitag der 13. aber echt schon im Vorfeld um sich gewütet! :(

  7. Och mensch… das is ja shit… ihr habt unser Mitgefühl!!!!
    Aber wer weiß wofür es gut ist. Das ist einfach Schicksal.
    Wir drücken Euch nun für alles weitere die Daumen, das ihr die Karre für gescheites Geld loswerdet (die 18-jährigen Neuankömmlinge wissen eh nich wie sich ein Getriebeschaden anhört ;) und ihr nen tollen Job findet. Vielleicht ergibt sich ja für euch doch nochmal die Möglichkeit auf dieser Reise zurückzukehren!? You never know …
    und Kopf hoch

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