Kultur und Bürokratie in Yogyakarta

Nachdem wir das untouristische Malang hinter uns gelassen hatten, waren wir doch etwas geschockt wie anders uns Yogyakarta vorkam. Wir ließen uns von einem Touristenshuttle die 350km chauffieren (ca. $10 pro Person) und erreichten nach geschlagenen 11h Stunden Fahrt die boomende Stadt. Vieles erinnerte uns stark an Kuta in Bali. Es gab unheimliche viele Verkaufsstände, viele Leute, die dich überall anquatschen und auch viele “weiße” Gesichter.

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Wir quartierten uns nach einigem Umschauen ins Hotel Monica ein. Zwar roch die Toilette etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir hatten WIFI und Frühstück (ca. $15 pro Zimmer). Am ersten Tag kümmerten wir uns ersteinmal um unsere Visumverlängerung und schauten im Immigrationsamt nahe des Flughafens vorbei. Dabei benutzten wir das neue Bussystem, dass sogar mit richtigen Haltestellen und festen Preisen ausgestattet war (ca. $0,30 pro Fahrt pro Person).
Nachdem wir nach stundenlangen Suchen endlich eine Möglichkeit gefunden hatten unserer Flugtickets auszudrucken, dass wir für die Verlängerung brauchten (Danke Sheraton Hotel!), kehrten wir zurück in das Büro und alle Unterlagen einschließlich Pass wurde eingezogen. Wir sollten in genau zwei Tagen wiederkommen.

Für den nächsten Tag buchten wir eine Tour zum größten Buddhistentempel Borobodur und einem der wichtigsten Hindutempel Prambanan. Nach mehrmaligem Hin- und Herrechnen fiel uns auf, dass eine Tour günstiger ist, als wenn man sich selbst auf den Weg macht, da man eine Vergünstigung beim Eintritt in den Tempel bekommt. Also bezahlten wir ca. $37 pro Person für den Eintritt der Tempel, die beide zum UNESCO-Kulturerbe zählen, und den Transport. Einzeln kostet der Eintritt schon $20 und $15 für die beiden Tempel. Für Asien doch ein teures Unterfangen, aber wir wollten uns natürlich nicht die wichtigen Tempel entgehen lassen. Morgens um fünf Uhr ging es los, um die angenehmen Morgenstunden zu nutzen. Gegen sechs Uhr kamen wir in Borobodur an und standen vor einem Monstrum von Tempelanlage. Im 18. Jahrhundert wurde diese Ruine wiederentdeckt und es wird angenommen, dass die Anlage noch vor 900 n.Chr. erbaut wurde. Durch viele Aufbauarbeiten und Begradigungen konnte das Kulturerbe wieder auferstehen und in nahezu seinem alten Glanz heute für uns erstrahlen.
Borobodur besitzt mehrere Ebenen, die den Zirkel eines Buddhistenlebens darstellen sollen. Die unterste Ebene “Kamadhatu” beschreibt den Menschen, wie er noch an weltlichen Dingen hängt und sehr leidenschaftlich ist. Die zweite Ebene “Rapadhatu” beschreibt einen Menschen, der sich schon teilweise vom weltlichen Verlangen lossagen konnte, aber immer noch an einen Körper und eine Form gebunden ist. Die letzte menschliche Ebene ist die “Arupadhatu”, die einen Menschen beschreibt, der sich von Verlangen, Umriss und Form losgesagt hat. Diese Stufe möchte jeder Buddhist erreichen. Die oberste Ebene, die durch eine riesige Glocke dargestellt wird, ist das “Nirwana Arupa”, wo Buddha selbst symbolisiert wird. Uns faszinierte dieser riesige Bau mit seiner langen Geschichte und seiner großen Bedeutung sehr. Oft umkreisten wir den Bau auf den verschiedenen Ebenen und begutachteten begeistert die aufwendigen Reliefs, die alle ihre eigene Geschichte zu erzählen schienen.

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Nach einem kurzen Besuch im Mendut Temple, der ebenfalls ein kleiner interessanter Buddhistentempel ist, ging es weiter Richtung Prambanan. Dort erwartete uns ein etwas anderer, aber dennoch riesiger Tempelbau des Hinduismus‘. Er bestand aus einem großen Haupttempel in der Mitte und vielen weiteren kleinen Nebentempeln und Schreinen zu allen Seiten. Teilweise konnte man die Tempel hineinspähen und eine Figur wie beispielsweise eine heilige Kuh erkennen. Die Ruinen von Prambanan wurde ebenfalls erst in späteren Jahren entdeckt und diese heilige Städte nach besten Vorstellungen wieder aufgebaut.
Nach einem gefüllten Vormittag, gingen wir den Nachmittag sehr ruhig an, da Lars sich eine Erkältung zugezogen hatte im kalten Malang, die auch auf Yvi übersetzte. Abends lernten wir noch eine Horde deutscher Traveler kennen, mit denen wir uns den Abend versüßten und spannende Reisegeschichten austauschten.

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Am nächsten Tag versuchten wir zumindest ein wenig Lars‘ Ehrentag zu genießen, auch wenn das etwas schwierig fiel mit angeschlagenen Lungen und einer Verpflichtung im Immigrationsamt, die leider durch die indonesische chaotische Scheinbürokratie den ganzen Tag in Anspruch nahm. Immerhin trafen wir unsere Bungalow-Nachbarn von Pemuteran (Bali) wieder und konnten uns noch sehr nett unterhalten. Erschöpft, aber glücklich endlich das Visum in der Hand zu halten, machten wir uns auf den Weg ins Hotel, wo wir eine prächtige Schwarzwälder Kirschtorte anlässlich Lars’ Geburtstags verspeisten.

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Nach längerem Überlegen buchten wir schließlich einen Flug von Yogyakarta nach Medan (Norden von Sumatra) für ein paar Tage später. Die nächsten Tage nutzten wir hauptsächlich zum Auskurieren unserer Erkältung. Als es uns dann etwas besser ging, erkundeten wir noch den örtlichen Vogelmarkt, bei dem es wieder viel zu niedliche Welpen in zu kleinen Käfigen gab. Wir beobachteten sogar, wie ein Hund zum Transport “verpackt” wurde: Tape um die Schnauze gewickelt, in den Sack gesteckt und ab auf’s Moped. Wir trauten unseren Augen nicht ganz.

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Am letzten Tag schauten wir uns noch den Palast von Yogya (Kraton) an und schlenderten ein wenig über den Einheimischen-Markt. Am nächsten Tag sollte es für uns früh losgehen in Richtung Sumatra.

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Kommentare

2 Antworten auf „Kultur und Bürokratie in Yogyakarta“

  1. Der Kommentar ist wieder sehr schön und spannend zu lesen, Bilder sind auch toll. Ich freu mich schon auf den Dschungel Blog-Eintrag und die Bilder dazu:)

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