Inle Lake – ein Unikat auf Erden

Nach einer 12-stündigen Busfahrt im sehr unbequemen Bus und auch sehr unreizenden, rotzenden und stinkenden Busmitfahrern (ok es war nur einer), kamen wir endlich um 4.30Uhr morgens in Shwenyaung an. Dort wurden wir schon von einem Taxifahrer erwartet. Natürlich fuhr vor 7.30Uhr kein Pickup (eine Art öffentliches Verkehrsmittel in Myanmar), sodass wir auf ihn angewiesen waren. Natürlich berechnete er uns satte 8000 Kyatt (ca. $ 9,50) für die 11km. In Nyaungshwe angekommen, ging dann die große Suche nach einem günstigen Hotel los. Wir hatten nichts gebucht, weswegen unser Taxifahrer schon ganz unruhig wurde. Allerdings kutschierte er uns im Dorf so lange herum, bis wir doch endlich eins gefunden hatten. Es war ungefähr das zehnte Gästehaus, alle anderen waren voll. Wir quartierten uns im Four Sisters Inn am Ende des Dorfes für 20.000 Kyatt (ca. $24) pro Nacht ein. Eigentlich eine Unterkunft über unserem Budget, aber wir durften wohl nicht wählerisch sein. Das Zimmer an sich war vollkommen in Ordnung und sauber, das Bad allerdings mittelmäßig und ein ohrenbetäubender Generator lag direkt hinter unserem Zimmer. Er war zwar nicht immer an, aber wenn, nervte es ganz schön.

Wir versuchten gleich am ersten Tag Olga und Jan wieder zu finden, was ohne Handy nicht so einfach ist. Leider wurden wir zunächst nicht fündig und so taten wir uns nach dem reichhaltigen Frühstück des Hotels mit einem israelischen Pärchen zusammen, um die Bootsfahrt über den Inle-See anzutreten. Gegen Mittag waren wir im langen Boot und schipperten Richtung See für 14.000 Kyatt (ca. $16,50) für das ganze Boot. Vorher kaufte sich Yvi noch einen Sonnenhut, damit die Sonne nicht so auf den Kopf scheint. Die 1.000 Kyatt (ca. $1,20) schienen bei den jungen verkaufenden Mädels gut untergebracht.

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Darauf ging es nach einem kleinen Stück Flussfahrt hinaus auf den riesigen Inle See. Am Eingang begrüßten uns gleich ein halbes Dutzend Fischermänner, die fleißig vor unser Kamera posierten. Sie fischen mit einem interessanten Gebilde aus Holz und paddeln ihr kleines Holzboot mit Hilfe eines Beines, was sehr künstlerisch aussah. In Richtung Süden ging es weiter. Wir lenkten in kleine “Flussstraßen” ein, die durch Wasserpflanzen getrennt waren. Zunächst kamen wir an riesigen Feldern vorbei, wo die Einheimischen Tomaten und anderes Gemüse faszinierenderweise im Wasser des Sees anbauten. Feldarbeit und Ernte wurde mit Hilfe von kleinen Holzkanus verrichtet.

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Vorbei an einigen Häusern, die im See gebaut waren, unter anderem auch große Restaurants und teure Hotels ging es weiter zur Seidenspinnerei auf dem See. Wir legten an und uns wurde eine kostenlose Führung durch die Spinnerei und Weberei angeboten. Wir konnten beobachten, wie aus der berühmten Lotuspflanze hauchdünne Fäden gewonnen wurden, die dann auf große Rollen gesponnen wurden. Anschließend durften wir den burmesischen Weberinnen dabei zusehen, wie sie die Fäden verarbeiteten und große Bahnen Stoff dabei entstanden. Es gab jedoch nicht nur Lotus, auch Seide und Baumwolle wurde verarbeitet. Ganz nebenbei konnte man von hieraus auch die wunderschöne Aussicht auf den See genießen. Gefüllt von Lotusblüten lag der See vor uns und hier und da ragten ein paar Holzhütten empor. Ein kleines Souvenir in Form eines kleinen Baumwollbeutels durfte es dann auch sein für 1.500 Kyatt (ca. $1,80).

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Weiterhin lotste uns unser Fahrer durch einige schwimmende Dörfer, wo wir fasziniert beobachten konnten wie die Menschen hier leben. Ganz einfache Holzhütten mit meist nur einem Raum diente als Wohnung, alle Wege wurden per Boot gemeistert und das Wasser des Sees wurde für alles verwendet: Wäsche waschen, Zähne Putzen oder duschen. Auch, wenn wir uns etwas seltsam vorkamen wie Schaulustige durch das Dorf bugsiert zu werden, hießen uns die Burmesen meistens herzlichen willkommen und winkten uns oder grüßten uns mit einem gastlichen “Mingalaba”.
Natürlich durften die goldenen Pagoden auf der Fahrt auch nicht fehlen und so hielten wir an zweien an, die wir im Vorbeischlendern betrachteten. Auf dem Markt ergatterten wir noch ein Inle Lake- T-Shirt für 2.000 Kyatt (ca.$2,50). Außerdem probierten wir bei einer lokalen Küche das berühmte frittierte Tofu mit Reis und Ei, was uns gut mundete (5000 Kyatt für 4 Personen). Wir brauchten keine Angst haben nicht satt zu werden, denn uns wurde immer wieder neu aufgetischt, bis wir nicht mehr konnten.

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Auf dem Weg nach Hause hielten wir noch an einem schwimmenden Kloster an, was mit Buddhstatuen übersät schien. Allerdings gefiel uns die andächtige Stimmung und die Mönche in ihren schönen roten Kutten. Zurück auf dem Boot genossen wir das letzte Stückchen Fahrt und kehrten beseelt wieder im Hotel ein.

Nach dem anstrengenden, aber schönen Tag rappelten wir uns noch mal auf, um Olga und Jan wieder zu sehen, die wir auch in ihrem Hotel antrafen. Wir tauschten uns über unsere letzten Tage aus und gingen lecker im etwas teureren Restaurant “Aurora” essen. Zwar kosteten die Fleischgerichte 3000 Kyatt (ca. $3,50), jedoch gab es dafür auch Erdnüsse als Snack, Suppe, Salat und eine Mandarine zum Nachtisch. Der Abend wurde etwas später und als wir um 23Uhr am Hotel ankamen waren schon alle Schotten dicht und wir mussten das schwere Eisentor mit aller Kraft selbst aufschieben. Wie schon erwähnt, die Burmesen sind keine Nachtmenschen.

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Am nächsten Tag hatten wir uns mit Olga und Jan zum 5-Tage-Markt verabredet. Der in unserem Dorf Nyaungshwe stattfindende Markt bot vor allem jeden Menge Lebensmittel und Kleidung für die Einheimischen. Als wir durch die engen Gässchen, die oberhalb mit Planen behangen waren, durchgingen, kamen wir uns ziemlich riesig vor und mussten oft gebückt gehen. Die Burmesen waren sehr beschäftigt und an allen Ecken wurde gehandelt und gefeilscht und so gut wie alle verließen den Markt mit randvollen Einkaufstaschen (alle die gleiche).

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Kurz darauf liehen wir uns zu viert Fahrräder für 1.500 Kyatt pro Tag pro Fahrrad (ca. $1,80) aus und machten uns auf den Weg Richtung See. Unser erster Stopp war ein Weinkellerei mit Weinbergen. Wir bewunderten die schöne Sicht und die idyllischen Weinberge. Außerdem gönnten wir uns für 2.000 Kyatt (ca. $2,50) eine Weinprobe, wobei wir vier lokale Weine probieren konnten, die gar nicht so schlecht schmeckten.

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Weiter ging es auf der holprigen Straße bis wir im Dörfchen Mai Tauk angekommen waren. Nach einem reichlichen Mittagessen (Suppe und Salat für jeweils 1.500 Kyatt) schlenderten wir den langen Steg zu dem Wasserdorf. Wir bereuten ganz schnell, dass wir schon gegessen hatten, denn es gab ein wunderschön gelegenes Restaurant direkt auf dem See. Als wir uns jedoch umdrehten, sahen wir schon ein großes Unwetter auf uns zukommen und begaben uns schnell zurück auf unsere Fahrräder. Olga und Jan mussten um 16.30Uhr wieder im Dorf sein, damit sie ihren Bus nicht verpassten. Die halbe Strecke schafften wir ohne Probleme und dann kam die Sintflut auf uns hinab. Wir stellten uns bei einem Kloster unter und warteten während die Zeit immer weiter voranschritt. Kurz vor 16Uhr schwangen wir uns jedoch wieder auf’s Fahrrad, damit die beiden ihren Bus noch kriegten. Mit Erfolg – 25 Minuten später waren wir im Dorf – pitschnass. Wir verabschiedeten uns und fuhren ins Hotel zurück.

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Am nächsten Tag entschieden wir den gleichen Weg noch einmal zu fahren und diesmal zu einem Kloster auf dem Berg hoch zu wandern, was wir am Tag vorher aufgrund des Regengusses nicht mehr geschafft hatten. Der Amerikaner Troy schließ sich uns an und in der brütenden Mittagshitze stiegen wir den Berg hinauf und genossen eine wunderschöne Aussicht auf den riesigen Inle Lake.
Danach gingen wir zu dem schönen Restaurant zurück und speisten dieses Mal hier. Wir genossen Tomatensalat (800 Kyatt), Nudelsuppe (800 Kyatt) und Fischcurry mit Reis (2000 Kyatt). Die Aussicht beim Essen war wunderbar und die Stimmung war so friedvoll, dass wir gar nicht mehr gehen wollten.

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Am Abend änderten wir auf einmal unseren ursprünglichen Plan und entschieden uns direkt nach Hsipaw zu fahren anstatt nach Kalaw. Allerdings gab es natürlich keinen Bus für den nächsten Tag, da alles ausgebucht war. Also entschieden wir uns spontan noch eine Nacht zu bleiben und einen Tag später zu fahren. Blöderweise kauften wir das Busticket zuerst und kümmerten uns erst dann um eine Bleibe für die nächste Nacht, obwohl wir wussten, dass unser Hotel ausgebucht war. Allerdings war uns nicht bewusst, dass es so schwer werden würde ein neues Hotel zu finden. Die Burmesen in der Travel Agency, in der wir unser Busticket gekauft hatten, telefonierten geschätzte 30 Hotels ab und alle waren ohne Ausnahme ausgebucht für die nächste Nacht. Nachdem wir in den letzten Tagen so viele Touristen in der kleinen 10.000-Seelen-Stadt gesehen hatten, war es auch keine ganz große Überraschung mehr. Vor allem ältere Pauschaltouristen scheint es nach Burma zu ziehen. Nach geschätzten 60 Minuten konnten sie uns dann ein Hotel für $30 die Nacht anbieten, was uns eigentlich zu teuer war, aber was sollten wir machen? Leider konnten wir unser Busticket nicht mehr gegen ein anderes tauschen. Danach gönnten wir uns erstmal ein Bier und ein leckeres Essen im vorher als sehr angenehm empfundenes Restaurant “Aurora”. Leider gab es diesmal keinen Salat, Suppe oder Mandarinen.

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Da wir jetzt noch einen Tag übrig hatten, entschieden wir uns noch einmal zu einer Bootstour. Jakob, ein netter Österreicher gesellte sich zu uns und so teilten wir das Boot zu dritt (15.000 Kyatt). Ziel war es die besonderen schwimmenden Märkte (floating markets) zu sehen. Wir stellten uns diese so vor, dass Waren auf Booten verkauft werden. Sehr enttäuscht waren wir jedoch, als sich der Markt als normaler Markt auf einer Insel in einem schwimmenden Dorf herausstellte. Eigentlich hatten wir extra wegen dem Markt das Boot genommen, welches genauso teuer war wie für eine Ganztagestour. Trotzdem ließen wir uns nicht unterkriegen und besuchten stattdessen noch einen Silberschmied, schipperten noch einmal durch die niedlichen Dörfchen und grüßten die Einheimischen. Am Ende ließen wir uns wieder zu dem schönen Restaurant im Dörfchen schippern, an dem wir am Tag zuvor schon waren und genossen noch einmal die herrliche Stimmung.

Unser nächster Stopp: Hsipaw, ein kleiner Ort im fünf Stunden nord-östlich von Mandalay, der sehr gut zum Wandern geeignet ist.

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