Myanmar (Burma) – Ein Lächeln aus jeder Richtung – erster Stop: Yangon

In Malaysia etwas verrückt gemacht, traten wir unsere Reise nach Myanmar an. Am Flughafen in Yangon angekommen, waren wir erstaunt wie modern er doch aussah. Wir hatten ein total zurückgebliebenes Land erwartet und alles um uns herum blinkte, wir wurden mit Webcams mit Karl-Zeiss-Objektiv fotografiert und nichts kam uns anders vor – vorerst zumindest.
Zunächst tauschten wir trotz aller Horrorgeschichten im Internet und in den Reiseführern unser erstes Geld am Flughafen zu einer Rate von $1 zu 845 Kyat (ausgesprochen: Tschat), die annähernd dem “Börsenkurs” entsprach. Kurz darauf wurden wir natürlich gleich von Einheimischen in ein Taxi geschleppt. $10 für die Fahrt erschien uns sehr teuer, allerdings liessen die Burmesen kein bisschen mit sich handeln. Später erfuhren wir, dass wir hätten ein paar Straßen weiterlaufen müssen, um ein günstigeres Taxi zu bekommen. Nachdem uns der Taxifahrer erzählte, die meisten Hotels seien ausgebucht und es gäbe sowieso keines unter $20, waren wir etwas schockiert und begannen doch langsam die Horrorgeschichten zu glauben. Allerdings fanden wir schon nach dem dritten Versuch das nette Hotel Pyin OO Lwin Guesthouse II für 12000 Kyat (ca. $14), was ein Zimmer mit Klimaanlage und Heißwasser für uns frei hatte. Allerdings wurde uns auch durch Gesprächen mit anderen schnell klar, dass viele Hotels ihre Preise deutlich angehoben haben. Kein Preis der Reiseführer soll noch stimmen, alles sei fast doppelt so teuer geworden. Wir hatten also Glück.

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Unser erstes Abendessen am Straßenrand für 3000 Kyat (ca. $3,50) für uns beide zusammen war eher ernüchternd und viel zu ölig. Dafür war der Pfannkuchen mit Nüssen und Kokosnuss für 300 Kyat (ca. $0,25) umso besser. Wir genossen die erste Nacht in der riesigen Metropole und lauschten einer Travelerin, die schon ein wenig von Myanmar gesehen hatte.
Außerdem machten wir uns gleich zur Sule Pagoda auf, die wir am gleichen Abend für 2000 Kyat (ca. $2,30) pro Person besuchten. Die angestrahlte goldene Glocke wirkte majestätisch und die vielen einzelnen Buddha-Statuen waren nicht weniger faszinierend. Allerdings wirkten die blinkenden Neonscheine, die hinter jedem einzelnen Buddha zu sehen war etwas kitschig.

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Am folgenden Tag bekamen wir die kräftige Hitze Burmas zu spüren. Die Sonne loderte und die stickige Luft machte uns ein wenig zu schaffen. Den Vormittag verbrachten wir beim Bogyoke Aung San Market, bei dem man allerlei Schnickschnack, Holzschnitzereien, Schmuck und Stoffe erhalten kann. Wir beschlossen einem kleinen Holzelefanten ein neues Zuhause zu geben, falls er die lange Reise überstehen sollte. Danach brachen wir auf nach Chinatown (Ja, auch hier haben Chinesen ihre Spuren hinterlassen) und begutachteten zwei nicht sonderlich interessante chinesische Tempel.
Da uns nun auch der Taxifahrer darauf hingewiesen hatte, dass wir Geld lieber in der Bank tauschen sollten, begaben wir uns direkt dorthin. Der Kurs war der gleiche wie am Flughafen und tauschten unser Geld ohne Probleme. Zwar dauerte alles etwas länger, da Dollarscheine von ungefähr fünf verschiedenen Personen begutachtet wurden, ob sie ok sind und alles von der Managerin unterschreiben werden musste, aber letztendlich hatten wir unser Bündel Geld in der Hand. Da es hier höchstens 5000 Kyat Scheine gibt, hat man bei 300.000 Kyat schon relativ viel Geld in der Hand. Man reichte uns eine Tüte zum Geldtransport. Jedoch waren wir noch harmlos. Direkt neben uns holte eine Burmesin Geld von der Bank ab und es bildeten sich Türme vor ihr auf. Wir bekamen vor Staunen die Münder gar nicht mehr zu. Generell lag unheimlich viel Bargeld in der Bank herum und wir konnten die Angestellten beobachten wie sie Berge von Scheinen durch die Zählmaschinen jagten.

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Danach warteten wir einen Regenguss in einem Café ab und begaben uns dann zur Botataung Paya Temple, der direkt am Yangon River gelegen war. Allerdings betrachteten wir die goldene Pagode nur von außen und ließen uns dann mit dem Taxi zurück zu unserem Hotel für 1500 Kyat (ca. $1,75) fahren.

Schon in den ersten zwei Tagen ist uns aufgefallen, dass die Burmesen ein wunderbares Völkchen sind. Wir genossen die überaus große Freundlichkeit der Menschen von der ersten Sekunde an, besonders nach den doch etwas mürrischen Malayen. So viele Leute lächeln einen an, wenn man die Strasse entlang geht, es wird mindestens drei mal gedankt, wenn man an einem Stand etwas gekauft hat, die meisten akzeptieren ein Nein, wenn man nicht möchte und bleiben trotzdem höflich. Am niedlichsten sind natürlich die Kinder. Einmal liefen wir in der Stadt an einem nicht so touristischen Platz vorbei und Kinder kamen auf uns zu gerannt und wollten uns die Hände schütteln. Ein kleiner Junge wollte Yvi gar nicht mehr loslassen und die anderen Mädels regten sich vor Lars Kamera und freuten sich über ihre eigenen Bilder. Das Strahlen in den Augen der Kinder werden wir wohl nie vergessen.

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Außerdem sind Burmesen grundehrliche Menschen, jedenfalls nachdem, was wir bisher erlebt haben. Am dritten Tag sind wir etwas später, erst gegen 23:30, ins Hotel zurückgekehrt und wir mussten den Hausherrn “herausklopfen”, wir kauften schnell noch eine Flasche Wasser und hatten aber nur 400 statt 300 Kyat klein, haben es dem Besitzer jedoch einfach in die Hand gedrückt und sind ins Zimmer, um ihn nicht noch länger zu stören. Am nächsten Tag kam der Mann doch tatsächlich zu Yvi und wollte ihr die 100 Kyat wiedergeben, die wir ihm natürlich als Trinkgeld gelassen haben.
Eine ähnliche Geschichte gab es bei einer Taxifahrt. Wir machten einen Preis von 6000 Kyat aus. Jedoch musste der Taxifahrer noch 200 Gebühr für den Parkplatz am Bus-Terminal bezahlen, die wir ihm natürlich erstatteten. Jedoch verweigerte er die 200 und nur nach ausdrücklichem Bestehen nahm er das Geld an und bedankte sich mehrmals.

Den zweiten Tag verbrachten wir zunächst damit ein Busticket zu buchen. Es war gar nicht so einfach die Reisebüros dafür zu finden, da alles in den burmesischen Buchstaben steht. Also hielten wir Ausschau nach Plakaten mit Bussen und wurden auch bald fündig. Die “Reisebüros” waren meist kleine Läden oder Restaurants, wo man eben auch Bustickets kaufen konnte. Nach ein wenig vergleichen, fanden wir den günstigsten Bus für 13.000 Kyatt (ca. $15) pro Person zum Inle Lake.

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Bald darauf begaben wir uns auf den Weg zur berühmten Shewdagon Pagode. Auf dem Weg hielten wir noch an einem See an, auf dem man einen schwimmenden Palast erblicken konnte. Wir sparten uns allerdings den Eintritt zum Park und schauten uns das ganze von außen an.
Danach erreichten wir den beliebten Tempel und zahlten unsere $5 pro Person an die Regierung für den Eintritt. Wir waren aber schlichtweg begeistert von der Größe und der Schönheit dieses Tempels. Die Hauptpagode, die wie so oft eine riesige goldene Glocke darstellt, ist in diesem Fall 98 Meter hoch und mehr als 50 Tonnen Blattgold wurde verwendet, um sie so aussehen zu lassen. Doch nicht nur die goldene Mitte ist eindrucksvoll, nein drum herum befinden sich zig weitere Nebentempel, die in allen möglichen Farbe, Formen und natürlich auch teilweise in Gold getaucht glitzern. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag auf der erhobenen Plattform und genossen die Sicht, während es dunkler wurde und die Pagode sehr schön angeleuchtet wurde. Außerdem lernten wir hier Olga und Jan, ein Pärchen aus Köln, kennen, mit denen wir dieses Erlebnis teilten.

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Am späteren Abend spazierten wir gemeinsam zurück ins Stadtzentrum, aßen etwas und gingen bei der “Bar&Bar” gezapftes Bier trinken, dass hier nur 600 Kyat (ca. $0.70) pro Glas kostete und tauschten unsere Reiseerfahrungen aus. Es war sehr witzig zu beobachten, dass sehr früh in Myanmar die Bürgersteige hochgeklappt wurden. Gegen 21 Uhr machten alle Restaurants und Essensstände zu und fast kein Mensch war mehr auf den Strassen. Nur in den wenigen Bars tummelten sich ein paar vereinzelte Nachtliebhaber. Burmesen sind demnach “Frühinsbettgeher”, aber natürlich auch Frühaufsteher. Jeden Morgen konnten wir vom Balkon unseres Hotels die fleißigen Burmesen beobachten wie sie herumwuselten, handelten, aßen, Sachen durch die Gegend trugen und schwatzen. Das Bild gefiel uns viel besser als die tausenden Mopedfahrer, die man in anderen asiatischen Großstädten zu Gesicht bekam. Die Burmesen sind noch viel zu Fuss unterwegs.

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Am nächsten Tag hieß es für uns packen und auf große Inlandsreise gehen. Da die Busse immer so vollgestopft sind und wir sowieso schon eine so lange Busfahrt vor uns hatten, entschieden für uns für eine Taxifahrt zum Bus-Terminal für 6000 Kyatt (ca. $7,00). Am Busterminal staunten wir nicht schlecht als wir hunderte von Bussen auf dem vor Schlamm triefenden riesigen Platz sahen. Drumherum natürlich viele bunte Essens- und Verkaufsbuden. Der Taxifahrer fuhr uns direkt zu unserem Bus (Gott sei Dank, sonst hätten wir den in den Massen nie gefunden) und unser Gepäck wurde sofort vom Buspersonal verstaut. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, auch wenn wir weit und breit die einzigen Touristen zu sein schienen.

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Vor der Fahrt gönnte Lars sich noch ein leckeres Myanmar Lager und wurde von einem achtjährigen Winzling bedient, was ja irgendwie witzig, aber auch etwas traurig war. Leider scheint Kinderarbeit hier zur Tagesordnung zu gehören. Wir haben danach noch viele weitere gesehen. Ein weiterer Punkt, der uns am Bus-Terminal wirklich bewusst wurde, ist, dass Burmesen deutlich mehr lesen als Indonesier und Malaysier. Sogar Straßenverkäufer, die mit Bücherstapeln über den Platz gingen, gab es dort.

Um 16 Uhr ging für uns die mehrstündige Nachtfahrt los und wir waren schon gespannt, was uns am Inle-See erwartet.

Wir planen gerade noch einen allgemeinen Beitrag über die Änderungen in Myanmar (Burma), die wir so festgestellt haben. Sehr viele Tipps in den aktuellsten Reiseführern stimmen hinten und vorne nicht. Wir haben uns mit sehr vielen Travellern, die das erste Mal und auch schon öfter hier gewesen sind, unterhalten und haben sehr viele nützliche Tipps sammeln können, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Der Beitrag wird vielleicht noch ein paar Wochen dauern.

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Kommentare

2 Antworten auf „Myanmar (Burma) – Ein Lächeln aus jeder Richtung – erster Stop: Yangon“

  1. Endlich wieder ein Bericht von Euch ! Wie immer Super!!!
    Besonders hat mir gefallen, dass die Währungsangaben auch in $ erfolgen.
    Tschüss

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