Bagan – Die Stadt der 2000 Tempel

Nach zwölf Stunden Bootsfahrt hieß es für uns sechs (wir waren immer noch mit Jan, Olga, Nathalie und Navide unterwegs) ein passendes Hotel zu finden. Per Telefon im Vorhinein war leider nichts zu machen, also mussten wir spontan etwas finden. Dies stellte sich als nicht so einfach heraus. Jan und Olga ergatterten nach dem ca. sechsten Hotel ein Zimmer in Nuang U für eine Nacht für $37. Sie nahmen es, da es Olga nicht gut ging. Wir gabelten Peter vom Boot wieder auf und fuhren nun zu fünft weiter nach New Bagan. Auch hier war es nicht einfach. Wenn ein Hotel einen Raum frei hatte, dann meist nur einen einzigen und nur für eine Nacht, ohne Frühstück und dann für $30. Wir blieben hartnäckig und es lohnte sich. Nach weiteren geschätzten fünf Hotels in New Bagan fanden wir das Glorious Bagan Hotel, welches uns alle fünf für die komplette Zeit aufnehmen konnte, Frühstück und einen vergleichsweise günstigen Preis von $22 für ein Doppelzimmer anbot. Wir konnten sogar noch einen Raum für Jan und Olga für den folgenden Tag reservieren. Glücklich doch noch was gefunden zu haben, lieferten wir unsere Rücksäcke ab und gönnten uns ein leckeres Abendessen und ein kühles Bier im Restaurant nebenan.

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Den ersten Tag in Bagan nutzen wir zunächst zum Wäsche waschen. Leider ist die Wäscherei in Burma relativ teuer und wird nach Stück und nicht nach Kilo berechnet. Also entschlossen wir selbst Hand anzulegen. Wir kauften Waschmittel, legten die Wäsche in große Schüsseln ein und schrubbten bis wir nicht mehr konnten. Am Ende war alles relativ sauber und duftete wieder gut.
Den Rest des Tages ruhten wir uns ein wenig von der langen Reise aus. Am Abend liehen wir uns Fahrräder aus (3000 Kyat, ca. $3,50 pro Fahrrad für 1,5 Tage) und machten uns auf in Richtung Tempellandschaft. Zumindest die Sonne wollten wir am ersten Tag über den Tempeln untergehen sehen. Wir entschieden uns nicht für den empfohlenen Tempel vom Hotel, sondern erkundeten einen einsamen direkt daneben. Gute Entscheidung, denn wir waren ganz allein und mussten die Aussicht nicht mit einer Horde von Touristen teilen. Wir stiegen durch winzige Treppengänge nach oben und kletterten das letzte Stück an der äußeren Tempelwand hoch. Dort erwartete uns ein wunderschöner Ausblick über die ganze Tempellandschaft. Überall ragten kleine und große Pagoden-Spitzen empor und die untergehende Sonne tauchte alles in ein goldenes Licht.

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Am nächsten Tag stand Lars ganz früh auf, um am gleichen Tempel den Sonnenaufgang zu erleben. Nathalie und Peter begleiteten ihn. Sie sahen viele Heißluftballons über Bagan aufsteigen und genossen die ersten Sonnenstrahlen und das Zwitschern der Vögel. Auf dem Rückweg schlenderten sie noch über den lokalen Markt und Lars brachte Yvi schöne Blumen zum Frühstück mit, worüber sie sich sehr freute.
Nach einem ausgiebigen Frühstück, machten Jan und Olga sich mit der Kutsche und alle weiteren per Fahrrad auf in Richtung Alt Bagan. Nun begann der Tempelmarathon. Schon an den ersten Klosterruinen fanden wir gefallen und kletterten ein wenig herum bevor es ins Herz von Alt Bagan ging. Dort besuchten wir die Touristenmagneten Ananda Tempel, Thatbyinnyu Pahto und noch einige kleinere schöne Tempel.

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Nach einem eher dürftigen Mittagessen und einem Fahrradwechsel für Navide, da sein alter Drahtesel auseinander gefallen war, trennten sich Mann und Frau. Während Yvi und Nathalie den einen Weg zum großen Dhammayangyi Tempel ausprobierten versuchten Lars und Navide einen anderen. Die beiden Jungs kamen viel früher an und dachten schon wir meinten einen anderen Tempel. Aber nein, nun gab Yvis Fahrrad auch den Geist auf und selbst nach einer Reparaturhilfe auf der Straße war nichts mehr zu machen und die beiden Mädels mussten schieben. Nach einem Rundgang gab es für Yvi noch Zuckerrohrsaft mit Limette und kleine Hundewelpen wurden von einer Burmesin herbeigebracht. Der kleine schien sich in Yvi’s Schoß ganz wohl zu fühlen.
Alle umliegenden Tempel schienen mit Touristen belagert zu sein für den Sonnenuntergang. Somit suchten wir uns einen zumindest ein wenig ruhigeren Tempel auf dem Weg nach Hause aus und genossen das schöne Lichtspiel mit Blick über Alt Bagan.

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Für den nächsten Tag hatten wir uns einen Pickup nach Mount Popa organisiert (30.000 Kyat, ca. $35 für 7 Personen) und wir, vier Franzosen und Jan machten uns auf. Auf dem Weg hielten wir an einer kleinen Farm an, die uns zeigte wie man Erdnussöl mit Hilfe von Ochsenkarren produzierte und Whisky destilliert. Kurz darauf kamen wir am berüchtigten Berg an und begannen ihn über gerüchteweise 777 Stufen zu erklimmen. Am Gipfel befand sich eine kleine goldene Pagode und man hatte einen einigermaßen schönen Ausblick über die Gegend. Das interessanteste war wohl den Berg von ein wenig Entfernung zu sichten, denn von dort sah er durch seine quaderähnliche Form mit der kleinen Pagode darauf einzigartig aus.

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Die restlichen 1,5 Tage ruhten wir uns ein wenig aus, spielten Karten, lasen oder quatschten. Wir probierten auch ein italienisches Restaurant aus, in dem es sehr leckere Pizza gab. Leider ein wenig klein und ein stolzer Preis für Burma (zwischen 4500, ca. $5 und 6000 Kyat, ca. $7 pro Pizza), jedoch sehr schmackhaft, sogar mit richtigem Käse. Am Ende unseres Bagan-Aufenthalts verabschiedeten wir uns von allen aus unserer kleinen Gruppe, denn jeder reiste woanders hin.

Für uns sollte es nach Monywa weitergehen, eine Stadt im Norden von Bagan, ein Zwischenstopp vor Mandalay. Leider kam kein Bus um 7Uhr, wie es unser Gastgeber im Hotel erzählte und wir fuhren nach 1,5 Stunden Warten zum Busbahnhof. Dort ließ man verlauten, dass eventuell noch ein Bus um 10.30Uhr kommt. Da wir nur eine Nacht in Monywa eingeplant hatten und es uns etwas unsicher war “vielleicht” einen Bus zu bekommen, entschieden wir uns spontan gleich nach Mandalay zu fahren. Wir bekamen noch ein Ticket für 15.30Uhr (7500 Kyat, ca. $8,50 pro Person). Somit hieß es ein bisschen Zeit verplempern im Stadtteil Nuang U von Bagan, was uns mit Rumschlendern und Essengehen ganz gut gelang.
Auf der Busreise entdeckten wir, wie schon öfter, eine Gruppe von burmesischen Bauarbeitern, die die Straße erneuerten. Es war unglaublich dabei zuzusehen wie diese Menschen noch arbeiten. Steine für die Straße werden in einer riesigen Maschine zerkleinert, in die Frauen die großen schweren Steine hineinschmeißen, natürlich ohne jegliche Schutzkleidung. Die Steine werden per Hand auf die Straße verteilt und so aneinander “gepuzzelt”, dass es eine gerade Fläche ergibt. Ein riesiges Fass voller Teer wird über dem Feuer erhitzt, damit es flüssig wird und schließlich läuft ein Burmese mit einer Kanne heißen Teers über die Steine, um es zu verteilen. Was für eine Knochenarbeit. So etwas zu sehen ist für einen Europäer schier unglaublich.

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Angekommen in Mandalay ging der Stress der Unterkunftssuche wieder los. Entweder voll oder zu teuer oder meistens beides. Letztendlich fanden wir ein Zimmer im Nylon Hotel für $20 die Nacht. Allerdings brachte man uns in die “Bruchbuden-Etage”, hatten wir zumindest das Gefühl. Die letzte hölzerne Treppe führt hinter der Küche hinauf und endete auf einem riesigen “Balkon”, auf dem die Angestellten die Wäsche trockneten. Dementsprechend bekamen wir für unsere $20 eine Abstellkammer, immerhin mit Betten und Bad und waren etwas missgestimmt. Zumindest gab es Frühstück und Internet kostenlos dazu.

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In Mandalay merkte man uns die stressige Burma-Reise doch etwas an. Wir gingen alles etwas ruhiger an. Erst gegen Mittag bequemten wir uns am ersten Tag aus dem Hotel, um zu Fuss ein wenig die Stadt zu erkunden. $10 Eintritt für den “Palace”, der mehr oder weniger nur aus Park bestand, erschien uns etwas zu viel und somit liefen wir nur an den Außenmauern entlang, die jeweils 2km lang waren. Nachdem wir zwei Seiten geschafft und uns ein leckeres Myanmar-Bier zur Abkühlung gegönnt hatten, kamen wir am Eingang zum Mandalay Hill an. Wir erklommen eine Vielzahl an Treppen und einige kleine Pagoden-Zwischenstationen, bis wir schließlich nach ca. 30 Minuten am Gipfel ankamen, von wo wir den Sonnenuntergang über Mandalay erblicken konnten. Leider waren wir hier natürlich nicht die einzigen und so mussten wir den Ausblick mit einer Vielzahl von zumeist alten Touristen teilen, die in Bussscharen hier abgesetzt wurden.

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Die letzten zwei Tage in Burma wollten wir weiterhin etwas ruhiger angehen und relaxten ein wenig in unserem schäbigen Hotel. Eines Morgens, wir wollten schön ausschlafen, wurden wird davon geweckt, dass das Gebäude anfing zu schaukeln. Wir sprangen erschrocken aus dem Bett hoch und wussten gar nicht, was wir machen sollten. Schnell verstanden wir, dass es sich um ein Erdbeben handelte. Es wackelte später erneut gering und wir griffen ein paar Sachen, um nach unten zu eilen. Die Angestellten waren jedoch einigermaßen ruhig und so entschieden wir uns trotz alle dem zu frühstücken. Abends merkten wir wiederum ein Beben und selbst die Hotelangestellten verließen das Gebäude. Später im Internet haben wir gelesen, dass es sich um ein Erdeben mit Stärke 6,6 handelte, dessen Epizentrum 75km von Mandalay entfernt liegt.

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Am nächsten Tag sollte es für uns nach Bangkok und dann nach Saigon (Vietnam) gehen. Am Mandalayer Flughafen angekommen (Taxi für 45km = 11.000 Kyatt, ca. $12,50), waren wir sehr erstaunt wie leer der Flughafen war. Ausgebaut schien die große Halle und die Rollflächen für mehrere Flüge am Tag, jedoch gab es nur wenig Fluggäste. Wir schauten uns nach dem Check-Inn-Schalter für Air Aisa um und fanden einen einsamen Schreibtisch ohne technische Geräte, an dem ein paar Air-Asia-Mädels standen. Unsere Namen wurden rasch auf einer ausgedruckten Liste gefunden und die schon vorbereiteten Boarding-Pässe wurden uns übergeben. Das Gepäck wurde nicht per Gepäckband, sondern von Trägern transportiert. Wir waren ganz perplex von diesen unbekannten Vorgehensweisen und setzten uns in das einzige Cafe und warteten auf unseren Abflug.

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