Hsipaw – Erst die Anstrengung, dann die Party

Nach einer weiteren 15h- Busfahrt (16.000 Kyatt, ca. $18 pro Person) waren wir froh endlich im Norden, in Hsipwa (Sipoh) anzukommen. Die Fahrt hatte lange genug gedauert und wir durften mehrmals in der Nacht warten, damit unser Bus wieder auf Vordermann gebracht wurde. Die Klimaanlage funktionierte leider auch nur bedingt, was bedeutete, dass es entweder sehr kalt oder zu warm war. Jedoch lernten wir den Spanier Albert kennen, mit dem wir uns dann zusammentaten, um eine nette Bleibe zu finden. Es stellte sich als leichter als gedacht heraus, morgens um 5 Uhr etwas zu finden. Zwar mussten wir bis 8 Uhr warten bis ein Zimmer für uns frei wurde. Das nahmen wir aber gern in Kauf, da das Hotel Lily sehr vielversprechend aussah und für $16 pro Nacht auch durchaus in unserem Budget lag. Zwar teilte man sich die Duschen und Toiletten mit dem ganzen Haus, die allerdings sehr neu und sauber waren. Wir wurden herzlich aufgenommen und bekamen sogar ein kostenloses reichhaltiges Frühstück.

Nachdem wir nun endlich ins Zimmer einziehen konnten, war Lars so müde, dass er gleich ins Bett fiel. Yvi jedoch wurde ganz aufgeregt nachdem sie erfuhr, was man alles Tolles erwandern konnte und machte sich gleich zur ersten kleinen Wanderung zu einem Wasserfall auf. Nach mehrmaligen Fragen bei Einheimischen fand sie den Weg recht schnell und kühlte ihre Füße im frischen Wasser des hohen Wasserfalls ab. Danach gab es auch für sie eine kleine Mittagspause.
Nachdem wir es mehrere Male versucht hatten Jan und Olga in ihrem Hotel aufzuspüren, gelang es uns letztendlich am Abend und wir lernten auch die netten Franzosen Nathalie und Navide kennen. Daraufhin wurde erstmal eine Runde Bier getrunken (600 Kyat, ca. $0,70 für ein kleines) und besprochen, was am nächsten Tag unternommen werden sollte. Während wir uns zusammen mit den Franzosen für eine Wanderung zum Dorf Pankham in den Bergen entschieden, planten Jan und Olga eine Wanderung am Fluss entlang.

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Bepackt mit allen Wanderutensilien ging es für uns recht früh am Morgen um sieben Uhr los. Lars nur mit FlipFlops bewaffnet, da er keine anderen Schuhe mehr besitzt. Auch der Spanier Albert begleitete uns. Nach längerem Herumfragen landeten wir nach ein paar Umwegen schließlich auf dem richtigen Weg. Nach ein paar Kilometern wanderten wir an einem kleinen Fluss entlang, wo sich Einheimische angesiedelt hatten. Es war faszinierend wie einfach die Leute dort wohnen. Wasser wird noch aus dem Fluss geholt, auch Körper und Wäsche wird darin gewaschen, das übliche Transportmittel sind die eigenen Füße oder Ochsenkarren und die Häuser bestehen nur aus Holz und haben meist nur ein Zimmer. Elektrizität wurde mit einem Wasserrad und einem kleinen Generator erzeugt.

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Erst über ein kleine Brücke und dann immer weiter bergauf ging der Weg nun weiter. In einem weiteren Dorf beobachten wir kleine Jungs, die mit Hundewelpen spielten und Frauen, die Mais sortierten. Danach kreuzten viele weitere Touristen unseren Weg, die eine Nacht in Pankham verbracht hatten und nun wieder hinunterwanderten.
Ab jetzt blieb uns nichts weiter übrig als stetig bergauf zu wandern. Am Anfang spurteten noch alle motiviert voraus, als jedoch die glimmende Sonne aus den Wolken hervorkroch, wurden alle etwas träger und der Weg zog sich sehr in die Länge. Yvi erreichte mit Albert zuerst das Ortseingangsschild und wir waren überglücklich einen Jungen auf einem Ochsen zu erblicken. Wir hatten es nach 4,5h- Bergaufwandern geschafft.

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Gott sei Dank gab es eine Frau, die sich um alle Touristen herzlich kümmerte und auch uns ein leckeres vegetarisches Mittagessen auftischte (2000 Kyat, ca. $2,30). Wir waren alle sehr geschafft und gönnten uns erst einmal ein Stündchen Ruhe in dem friedlichen Dorf und schlossen ein wenig die Augen. Allerdings durften wir die Zeit nicht aus den Augen lassen, da wir wieder in Hsipaw ankommen mussten, bevor es dunkel wurde.

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Von Anfang an verfolgten uns bittere dunkelblaue Wolken am Himmel und wir beschleunigten unser Wandertempo ein wenig, um nicht in den Regen zu kommen. Leider war es nicht schnell genug und für 15 Minuten goss es aus Strömen. Danach war alles wieder ruhig, allerdings hatte sich der Boden fast vollkommen aufgelöst und wir mussten durch Matsch wandern, der erbarmungslos an den Schuhen hängen blieb. Jetzt machten sich die FlipFlops doch bemerkbar, da ein Weiterkommen fast nicht mehr möglich war. Nach einer Zeit waren alle anderen schon weit voraus, nur wir beide kämpften uns langsam, mal barfuss, mal mit Matsch-Schuhen, voran. Um Einiges später als die anderen erreichten wir das erste Dorf am Fluss wieder. Gott sei Dank kam gerade ein Burmese mit eignem Auto vorbei, der uns netterweise die letzten paar Kilometer bis nach Hispaw mitnahm. Somit erreichten wir unsere kleine Kneipe schon vor den Anderen, die sehr erstaunt dreinblickten als sie uns dort mit unserem wohlverdienten Bier sitzen sahen. Nach einem leckeren Barbecue-Essen ging es für uns sehr früh ins Bett und wir schliefen aus am nächsten Morgen.

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Wir hatten uns entschieden einen Tag länger zu bleiben, da ein großes Festival in Hsipaw stattfinden sollte, was wir natürlich nicht verpassen wollten. Gegen Mittag trafen wir Jan & Olga und Nathalie & Navide wieder und stellten uns an die Straße, bereit der großen Parade zu folgen. Nach ein wenig Warten ging es endlich los und wir beobachteten riesige Wagen bzw. auf Bambusstäben gebaute Konstruktionen, an denen allerhand SchnickSchnack befestigt war. Zusätzlich spielte jeder Wagen eine andere Musik in einer ohrenbetäubenden Lautstärke und viele Leute tanzten, wirbelten herum und hatten Spaß. Zwischendurch gab es auch ein paar Trommler in traditioneller Tracht, Tänzerinnen in bunten Kostümen und chinesisch aussehende Tanzdrachen. Alles in allem ein sehr lustig anzusehendes Schauspiel. Nach einer Weile quartierten wir uns in einem kleinen Kaffeehaus ein, von wo wir das Theater gut beobachten konnten, und gönnten uns ein paar chinesische Dali-Biere (800 Kyat, ca. $0.90 für eine große Flasche).

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Am Abend erfuhren wir von unserer Gastgeberin den Grund für dieses Spektakel. Die Mönche verbringen eine Zeit von drei Monaten im Kloster, dürfen sich nicht nach draußen begeben, nicht rauchen, nicht reden und nur meditieren. Zum Vollmond im November wird dieses Zölibat aufgegeben und die Mönche dürfen wieder auf die Straße. Die Einwohner haben für die Mönche große Stände vorbereitet, an denen Spenden hängen. Spenden können in allen möglichen Formen gegeben werden. Wir haben Von Geld über Töpfe bis hin zu Waschmittel alles Mögliche gesehen. Am Morgen nach dem großen Fest können die verschiedenen Klöster eine Nummer ziehen und wie in einer Art Lotterie bekommen sie dann einen Stand zugewiesen, den sie mitsamt aller Gaben in ihr Kloster nehmen können.
Nach dem Essen machten wir uns auf zum großen Festplatz, um das Schauspiel noch ein wenig zu betrachten. Ganz besonders viel uns das hölzerne Riesenrad auf, dass auf Eisenstangen angebracht war. Wir suchten lange nach dem Motor, der das Rad antreibt, allerdings ohne Erfolg. Es gab keinen. Das Rad wurde mit purer Manneskraft betrieben. Ungefähr fünf Männer kletterten kurz vor Start auf das Rad und nach einem Startpfiff sprangen, schwangen, kletterten und gingen sie im und am Rad entlang, sodass das rad eine enorme Geschwindigkeit erhielt, dann sprangen sie ab und überließen den Fahrgästen ihrem Schicksal. Für uns Europäer war das ein absolutes Schauspiel, dass wir überhaupt nicht fassen konnten. So ein gefährliches Unterfangen für vielleicht 20 Sekunden viel zu schnelles Riesenradfahren.

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Wie so oft änderten wir mal wieder im letzten Moment unsere Pläne für Burma und schlossen uns Jan, Olga, Navide und Nathalie an und begleiteten sie nach Bagan. wir suchten uns eine ganz spezielle Reiseroute aus, damit wir so viele verschiedene Transportmittel wie möglich ausprobieren konnten.
Das erste sollte der wackelige Zug sein. Wir fanden uns um 8.30 Uhr am Bahnhof in Hsipaw ein und bekamen nach langem Warten und Aufschreiben unserer Passdaten unser Ticket nach Pyin OO Lwin für $5 in der ersten Klasse. Natürlich durften wir nichts luxuriöses Erwarten, jedoch war es unsere erste Zugfahrt in der ersten Klasse in unserem Leben. In Burma bedeutet es hauptsächlich, dass man ein weiches Kissen unterm Popo hat, ein wenig Platz für sein Gepäck und der Wagon schien etwas ruhiger auf den Schienen zu liegen. Trotzdem war die Fahrt relativ holperig und man musste aufpassen, wenn man sich aus dem Fenster lehnte. Oft fuhr man direkt durch bewachsenes Land und wenn man nicht Acht gab, hatte man schnell einen Ast im Gesicht.

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Allerdings war es im Inneren ganz gemütlich und man konnte sich etwas freier bewegen als in den sonst gebuchten Bussen. Der Zug machte einige Stopps an ein paar Bahnhöfen, an denen wir günstig kleine Snacks kaufen konnten. Nudeln in der Plastiktüte gab es schon für 200 Kyat.
Nach sieben Stunden endete unsere Zugreise in Pyin OO Lwin und wir stiegen in einen Pickup (2000 Kyat, ca. $2,30 pro Person) um, ein weiteres typisches burmesisches Transportmittel. Yvi nahm die einmalige Chance war und fuhr statt auf der Ladefläche auf dem Dach mit. Eine einmalige Erfahrung über kurvige Straßen alles von oben beobachten zu können. Alle Burmesen um sie herum grinsten, winkten und machten sogar Fotos. Eine weiße auf dem Dach hatten sie wohl auch noch nicht so oft gesehen. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir Mandalay, wo wir Gott sei Dank schon ein Hotel vorgebucht hatten, denn wir waren sehr müde nach der langen Fahrt. Das Garden Hotel war zwar alles andere als gemütlich, aber es war einigeraßen günstig für $15 und es war auch nur für ein paar Stunden Schlaf.

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Denn schon um 4 Uhr morgens sollte es weitergehen. Wir ließen uns von einem Pickup für überteuerte 5000 Kyat (ca. $6 für alle zusammen) an den 10 Minuten entfernten Hafen fahren, um dann in das langsame Boot einzusteigen. Die Prozedur mit den Reisepassen wiederholte sich hier und wir bezahlten unglaubliche $15 für ein Boot, dass bis oben hin vollgestopft war mit Menschen. Leider nicht nur Einheimische, sondern auch Traveller und sogar viele Pauschaltouristen. Wir staunten nicht schlecht. Nun sollte es losgehen: 12 Stunden Bootsfahrt für ca. 100km. Immerhin war für Touristen, die geschätzt mindestens das Zehnfache bezahlen, ein Plastikstuhl reserviert. Vielen Dank.

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Nach kurzer Zeit entdeckten wir, dass ein Fernsehteam auf dem Boot war und bald erfuhren wir, dass es um eine Produktion für eine Reisedokumentation vom ARD handelte. Der Auslandskorrespondent für Süd-Ost-Asien Robert Hetkämper streifte mit seinem Filmteam über das Boot und interviewte fleißig Leute. Auch wir durften ein Statement abgeben. Mal sehen, ob wir Anfang nächsten Jahres im ARD zu sehen sind. Wir erfuhren, dass die Dreharbeiten schon lange andauern und, dass vor drei Wochen gerade einmal drei Touristen auf dem Boot waren.

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Auch hier legte das Boot ab und zu an und es kamen viele Händler an Bord, um allerhand Snacks und Süßigkeiten zu verkaufen. Wir ergattern drei Maiskolben für 500 Kyat, eine Tüte Nudeln für 200 Kyat, sechs Wachteleier für 200 Kyat und drei Pancakes für 500 Kyat. Jedes Mal freuten sich die Einheimischen, wenn das Boot anlegte und allerhand Waren aus dem Boot transportiert wurden. Alle Touristen machten fleißig Fotos während burmesische Kinder den “Weißen” zuwinkten.
Auf dem Boot lernten wir den Münchener Peter kennen. Mit ihm und Navide bildeten wir bald eine Kartenspielgemeinschaft, was vielleicht auch im ARD zu sehen ist.
Leider war das Flussufer landschaftlich nicht ganz so spektakulär, weswegen wir viel Zeit mit dösen, lesen, Musik hören, quatschen oder eben Karten spielen verbrachten. Gegen 18.30 Uhr kam das Boot nun endlich in Bagan an.

Kommentare

4 Antworten auf „Hsipaw – Erst die Anstrengung, dann die Party“

  1. schau an… so " trifft " man sich wieder. VG und danke für den Tipp Inle Inn, hat super geklappt!

  2. Danke für Euren Bericht, der uns sehr gut gefallen hat.
    Besonders hat das Foto mit dem Matsch und den Füssen beeindruckt.
    Tschüss

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