Die goldene Mitte – Dalat und Hoi An

Eine lange Reise sollte uns bevorstehen. Wir wurden morgens vom Hotel abgeholt, zum Hafen gebracht und mit der Fähre aufs Festland geschippert. Von dort wurden wir das erste Mal mit einem Namensschild abgeholt, was uns doch sehr schmeichelte, auch wenn nur die zweite Hälfte von Yvis Nachnamen (“Popp”) auf dem Schild stand. Schnell wurden wir zum Busbahnhof bugsiert und ab in unseren ersten “Sleeping Bus”. Eine Erfahrung wert. Über zwei Etagen verteilen sich liegende Sitze, deren Lehne man so weit nach hinten klappen kann, dass man sozusagen im Bus liegt. Man fühlt sich zwar etwas wie in einer Babyschale, kann jedoch trotzdem deutlich besser schlafen. Nach acht Stunden Busfahrt hieß es für uns weitere vier Stunden warten, um dann den letzten Bus nach Dalat um 24 Uhr zu bekommen für weitere sechs Stunden. Alles in allem waren wir fast 24 Stunden unterwegs und erreichten um 6 Uhr morgens Dalat und entschieden uns für das niedliche Hotel Tan Anh. Wir bewohnten ein riesiges Zimmer mit zwei Doppelbetten, Schrank, Fernseher, Kühlschrank und sauberem Bad. Das Fenster zeigte in Richtung Fluss und neben unserem Zimmer war gleich ein Balkon angebracht, wir zahlten $12 pro Nacht.

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Nach einer langen Ausschlafphase und einem leckeren Frühstück erkundeten wir ein wenig den Ort. Wir schlossen das Städtchen sofort ins Herz. Kleine Sträßchen, die auf und ab gingen, viele kleine Cafés und Restaurants, Shops und Bäckereien. Natürlich wurden wir von verschiedenen “Easy-Ridern” angequatscht, die uns ihre Mottoradtouren verkaufen wollten. Nach längerem Hin- und Herüberlegen entschieden wir uns für eine Tour mit einem Führer und Lars würde allein auf einem 125er Shopper fahren. Uns kostete die Tour $45 für uns beide zusammen. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück auch schon los. Yvi bei Luu auf dem Motorrad, Lars allein. Der erste Stopp entpuppte sich als Tempel, der allerdings ganz interessant mit riesigen Drachen gestaltet war. Ein wenig außerhalb der Stadt ließ er uns einen kleinen Berg erklimmen, von dem wir einen netten Ausblick auf Dalat und die umliegende Landwirtschaft hatten. Der Weg führte uns weiter durchs Hinterland, vorbei an Erdbeer-, Gemüse- ,Blumen- ,Tee- und Kaffeeplantagen. Der Ausblick war oft wunderschön und nett zu bestaunen. Luu erklärte uns, dass Vietnam mittlerweile viel exportiert, vor allem Kaffee, Kakao und Pfeffer. Holländer haben vor einigen Jahrzehnten den Vietnamesen den Blumenanbau beigebracht, weswegen um Dalat die Blüten nur so sprießen. Der nächste Stopp war eine Kaffeeplantage, wo wir natürlich Kaffee probieren konnten. Leider ist es immer relativ schwer den vietnamesischen Kaffee zu genießen, da er sirupartig stark ist ($1,50 für Mokka, $0,75 für Arabica pro Tasse). Hier lernten wir die Thüringer Thomas (ursprünglich aus Sonneberg, arbeitet aber in Suhl!) und Sabine (ursprünglich aus Katzhütte) kennen, die ohne Easy Rider unterwegs waren und sich auf Grund von fehlender Karte uns anschlossen, um den Elefanten-Wasserfall zu finden.

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Dort kamen wir auch bald an, bezahlten $0,25 pro Person und wanderten den kurzen Weg hinunter. Eine riesige Menge Wasser stürzte vom oberen Plateau in die Tiefe, dass das Wasser nur so toste. Nachdem wir den Wasserfall von vorne und der Seite gesehen hatten, kletterten wir in einen kleinen Spalt und kamen seitlich hinter dem Wasserfall raus. Das war ein Erlebnis hinter einem so reißenden Wasserfall zu stehen. Innerhalb kürzester Zeit waren Yvis Klamotten pitschnass, aber das Grinsen auf dem Gesicht verschwand nicht.

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Danach lernten wir in einer Seidenspinnerei ($0,50 pro Person) wie man aus den Kokons der Seidenraupen Seide gewinnt. Diese werden eingekocht und die winzigen Fäden werden mit Hilfe einer von Handarbeit und einer Maschine aufgewickelt. Der Stoff wird in dieser Fabrik mit Hilfe von elektrisch angetriebenen Webstühlen und Lochkarten für das Muster gewebt.
Der letzte Stopp befand sich wieder in Dalat und war das “Crazy House” ($1,50 pro Person). Dieses ist ein Hotel, welches in den witzigsten Formen gebaut wurde. Außenfassade, Zimmer, Garten und Restaurant, alles ist in einem “Alice-im-Wunderland”- Stil gebaut. Faszinierendes Gebäude, doch das Hotel war fast leer.
Gegen Ende hatten wir uns doch etwas geärgert für die kurze Tour mit sehr gelangweiltem Führer so viel Geld bezahlt zu haben. Zwar hat er uns einige schöne Plätze gezeigt, doch selten kam er mit, wie wir es bei anderen Ridern gesehen haben, viel erzählte er auch nicht und am Beispiel von Sabine und Thomas sahen wir, dass es sicherlich auch ohne gegangen wäre.

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Die beiden spendierten uns am Abend noch ein Bierchen, dafür, dass sie uns folgen durften und wir entschieden uns am nächsten Tag noch einmal zusammen und ohne EasyRider loszudüsen.
Das taten wir dann auch. Am Anfang fiel es uns schwer einen Weg aus dem Stadtgebiet Dalat zu finden und wir entdeckten bis auf schöne Landschaft nicht viel. nachdem wir jedoch mehrmals abgebogen waren, entdeckten wir eine wunderschöne Tempelanlage östlich von Dalat. Zwei riesige Tempel ragten empor, die mit Scherben aus Geschirr geschmückt zu sein schienen. Sehr interessant. Außerdem durften wir einen Weltrekord erblicken: den größten Buddha aus echten Blumen auf der ganzen Welt. Zusätzlich gab es ein Kloster oder einen weiteren Tempel auf einem Hügel. Uns war es unmöglich zuzuordnen zu welcher Religion er gehörte. In der Mitte thronte ein riesiges Auge, was anscheinend über alle wacht.

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Motiviert dadurch, dass wir doch noch etwas gefunden hatten, fuhren wir weiter Richtung Osten, um den Tiger-Wasserfall ausfindig zu machen, was uns auch gelang. Nach ein wenig holpriger Straße, $1 Parkgebühr pro Moped und einer kleinen Kletterei standen wir vor dem beeindruckendem Naturgebilde. Auch hier floss viel Wasser in die Tiefe und es bildeten sich sogar kleine Nebenwasserfälle. Yvi versuchte ihr Glück mit Hochklettern, jedoch musste sie ab einem gewissen Punkt umdrehen, da es sehr glatt wurde. Lars hatte sich seinen Fuss beim Motorradfahren verletzt und blieb lieber sitzen.
Danach ging es zurück nach Dalat und wir genossen noch ein wenig die Sonne am angelegten See in der Stadt.
Den letzten Abend verbrachten wir ebenfalls mit den Thüringern im schönen Kunstrestaurant und danach in der Backpacker-Kneipe um die Ecke, um ein wenig Billard zu spielen.

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Am nächsten Tag war unsere Zeit in Dalat schon wieder um, und wir bereiteten uns für eine 15stündige Busfahrt vor. Zwar sollte diese im Sleeping Bus erfolgen, freuen konnten wir uns trotzdem nicht darauf. Es sollte für uns nach Hoi An gehen (ca. $16 pro Person). Die Fahrt war anstregend und durch ständiges Aus- und Einsteigen der Leute, kamen wir auch nur wenig zum Schlafen. Blöderweise kamen wir mitten in der Nacht um 3.30Uhr in Hoi An an und kein Hotel hatte offen. Ein paar Halsabschneider klopften dann für uns an einige Hoteltüren und wir konnten doch schon einchecken. Natürlich wollten sie dafür $10 haben. Yvi gab ihnen $1,50 und verschwand im Hotel. Das Hotel war leider nicht so schön wie unsere bisherigen, aber morgens um 4Uhr hat man leider nicht so viel Auswahl. Wir bezahlten $15 pro Nacht, allerdings für das große Zimmer mit Fenster.

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Nach der langen Strapaze mussten wir natürlich erstmal ausschlafen. Kurz darauf ging es dann schon am ersten Tag mitten ins Getümmel. In Hoi An gibt es mehr als 200 Schneidereien, die dir für günstiges Geld ihre Dienste anbieten möchten. Wir schauten uns einige genauer an, fühlten Stoffe, begutachteten Schnitte und taten uns schwer mit Entscheidungen. Wir beließen es beim Rumschauen für den ersten Tag, um noch einmal eine Nacht drüber zu schlafen. Schon beim Rumschlendern strahlte das kleine Dörfchen Hoi An eine besondere Atmosphäre aus. Durch die kleinen Gässchen in der Altstadt und den angrenzen Fluss wirkt es fast europäisch und sehr niedlich.

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Am nächsten Morgen entschied sich Yvi für einen Anzug mit Rock, Hose und Bluse ($155) und Lars blieb wie so oft unentschlossen. Am Abend jedoch entschied er sich für zwei Hemden ($30 für 2), während Yvi sich in eine neue Kordjacke ($33 mit Seidenauskleidung) verliebte. Zwischen den ganzen Anproben unternahmen wir auch ein wenig im Umfeld.
Am ersten Tag fuhren wir mit dem Moped ($5 pro Tag + Benzin (ca. 23.000 VND pro Liter)) die unmittelbare Umgebung ab. Wir entdeckten den Bang An und den Cua Dai Strand und einige kleine Dörfchen im Osten, wo schöne Palmen im Flussgewirr wuchsen.
Den zweiten Tag fuhren wir Richtung Danang, der fünftgrößten Stadt Vietnams. Allerdings hielten wir ca. 10 km vor der Stadt an, um uns die Marble Mountains anzusehen. Dies ist eine kleine Berggruppe, die hauptsächlich aus Marmor besteht. Im Inneren befinden sich lauter kleine Tempelschreine mit Buddha- und anderen Figuren. Das faszinierende war für uns die Mischung aus einem von der Natur beschaffenen Platz eingerichtet mit menschlichen Glaubensbekenntnissen.
Am nächsten Tag wollten wir eigentlich My Son, eine alte Cham-Ruine besuchen. Allerdings legten wir uns vormittags zunächst an den schonen Cua Dai Strand und hatten danach nur noch wenig Motivation für Sightseeing und so blieben wir einfach liegen.
Nachdem uns die Stadt und die Umgebung so gut gefallen hat, entschlossen wir uns zwei Tage länger zu bleiben, um die Atmosphäre noch ein wenig zu genießen und um der Anzugsschneiderin noch ein wenig mehr Zeit zu lassen.

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Im Endeffekt sind die zwei Jacken und Hemden sehr gut geworden. Die Jacken hatte Yvi sich von einem Beispiel im Schaufenster abgeschaut und die Hemden wurden vom Katalog nachgeschneidert. Der Anzug brauchte ein wenig mehr Bemühungen, bis er zur Zufriedenheit passte. Wir stellten fest, dass es wohl besser gewesen wäre mit einer genaueren Vorstellung für einen Anzug in Hoi An anzukommen. Leider ist es sehr schwierig sich die verschiedenen Designs vorzustellen, wenn man sie nicht vorher anprobieren oder zumindest anschauen kann. Doch nach drei weiteren Anpassungen und zwei persönlichen Besuchen in den Hinterhof-Nähereien saß er dann doch ganz gut. Allerdings muss man sagen, dass die Damen im Schneider-Shop einem doch einige Märchen auftischen, um ihre Sachen zu verkaufen. Jeder sagt im Vorhinein, dass er persönlich der Schneider ist, der sich darum kümmert. Nachdem es aber ein paar Probleme gegeben hatte wegen der Anpassung, durfte Yvi die wahren Künstler im Hintergrund mal bei ihrer Arbeit beobachten. Also nicht alles glauben, was erzählt wird.
Ganz kurzfristig am vorletzten Tag entschied sich Lars dann doch für zwei lange Cord-Hosen ($15 pro Hose), die auf Anhieb perfekt passten und Yvi ließ sich ein längeres Hemdchen schneidern, dass sie als Kleid anziehen kann.

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Nach einem weiteren Tag am schönen Strand und dem letzten Termin beim Schneider, hieß es für uns Lebewohl sagen vom schönen Hoi An, auch wenn es schwer viel. Heute geht es per Bus weiter für uns. Es warten wieder 17h Busfahrt auf uns bis wir in Ninh Binh, 100km südlich von Hanoi ankommen.

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Kommentare

4 Antworten auf „Die goldene Mitte – Dalat und Hoi An“

  1. 8 + 6 Stunden, 15 Stunden und 17 Stunden Busfahrt quer durch Vietnam, Ihr seid echt beinhard. Wie immer tolle Bilder und Berichte. Viel Spaß weiterhin.

  2. Der Thomas arbeitet für die Stadt Suhl als Hausmeister in verschiedenen sporteinrichtungen! Können gerne heute skypen! Wir sind online!

  3. wohnt ihr da jetzt in der hütte und habt nen office aufgemacht, in dem ihr eure neuen kleider anzieht?
    was macht denn der thomas in suhl?
    und wann skypen wir mal wieder? morgen?

  4. Schönes Hütchen, sieht gut aus(haste den gekauft), Bericht und Bilder sind auch klasse. Also bis bald:)

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