Ninh Binh – einsam, schön und mystisch

Nach unserer letzten langen Busfahrt in Vietnam in einem Schlafbus hatten wir es nach 17 Stunden schließlich von Hoi An nach Ninh Binh geschafft (330.000 Dong oder ca.$15). Der Bus schmiss uns diesmal mitten im Zentrum raus und sogar um sechs Uhr früh kamen die Hotelmitarbeiter, um um uns zu buhlen. Wir entschlossen uns recht schnell für das gemütliche New Queen Mini Hotel für einen großen Raum für $8 pro Nacht. Wie so oft mussten wir uns erst einmal von den langen Reisestrapazen erholen und schliefen ein wenig aus.
Danach stellten wir schnell fest, dass nach einem kleinen Spaziergang im Stadtzentrum alles schnell ausgekundschaftet war und wir genossen in einem der wenigen Restaurants unser Abendessen. Diesmal hatte es uns an einen wenig touristischen Ort verschlagen und wir sahen nur sehr wenig “weiße” Gesichter.

Mit dem Roller nach Tam Coc

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen mieteten wir uns einen Roller und fuhren in Richtung Tam Coc, was übersetzt “drei Höhlen” heißt. Uns kam es vor, dass diese Region touristischer war, als die Stadt Ninh Binh selbst. Es gab einige Restaurants und ein paar Hotels waren in Bau oder schon fertig.
Wir bezahlten Eintritt und eine Bootsfahrt (40.000 Dong ($2) pro Person + 80.000 Dong ($4) pro Boot) und schon ging es los. Wir setzten uns in ein kleines Ruderboot aus Metall und wurden über den schönen Fluss geschippert. Rechts und links neben uns ragten riesige Sandsteinformationen auf. Es waren allerdings keine Gebirgszüge, sondern meist einzelne kleine Bergkuppen. Fasziniert bestaunten wir die Formationen und beobachteten die kleinen Fischerbötchen neben uns. Nur wenige Touristen kreuzten unseren Weg. Außerdem schipperten wir mit dem kleinen Boot durch die beschriebenen drei Höhlen, was auch eine außergewöhnliche Erfahrung war, denn meist sahen die Höhlen nicht aus, als würde ein Boot hindurch passen.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0069 5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0035

Nach 1,5 Stunden war die Bootsfahrt zuende und wir schwangen uns wieder auf unser Moped. Nur einen Kilometer weiter konnten wir die Than Vih Pagode besichtigen. Diese wirkte zwar nur halbfertig, jedoch ganz nett mit den riesigen Sandsteingebirgen im Hintergrund. Nach der Besichtigung wurden wir von ein paar vietnamesischen Männern auf ein “Schwätzchen” eingeladen, dass jedoch nur mit Händen und Füßen funktionierte. Wir bekamen selbstgebrannten Schnaps, Mandarinen und Tee angeboten und gaben eine Runde Zigaretten aus. Die Kerle waren sehr heiterer Stimmung und freuten sich, dass wir ein paar Fotos von ihnen machten.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0132

… und weiter zur Berg-Pagode

Etwas beschwingt ging es auf dem Moped weiter Richtung Berg-Pagode. Zunächst schauten wir uns den Tempel an, der auf mehreren Stationen in den Berg hineingebaut war. Natürliche Höhlen wurden als Raum für Schreine benutzt.
Schließlich waren wir ganz oben angekommen, dachten wir zumindest. Ein taubstummer Vietnamese versuchte uns mitzuteilen, dass man von ganz oben auf dem Berg eine sehr tolle Sicht hat. Also ließen wir uns von ihm kletternd nach oben führen. Über rutschige Felsvorsprünge und spitze Sandsteine erreichten wir bald die Spitze und hatten eine wunderbare 360°-Sicht. Der Vietnamese erzählte uns mit Händen und Füßen sehr witzige Geschichten über seine Frau und seine Kinder und hatte riesige Freude daran uns auf dem Berg zusammen küssend zu fotografieren. Nach dem Abstieg steckten wir im 30.000 Dong ($1,50) zu und setzten uns wieder auf unser Gefährt.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0180

Nachdem wir ein paar Umwege auf uns genommen hatten, da der Weg doch etwas schwer zu finden war, erreichten wir die “Hang Mua”. Hierbei handelte es sich um einen Tempelschrein auf einem der höchsten Berge in Mitten der Sandsteinlandschaft. Die Aussicht war grandios. Trotz des eher schlechten Wetters, hatte man eine grandiose Sicht auf den Fluss (siehe Titelbild), der sich durch die Berge schlängelte. Die kleinen Bötchen vollendeten das schöne Bild. Wir erholten uns etwas von dem anstrengenden Aufstieg und genossen die tolle Aussicht.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0310

Cuc Phoung National Park

Der nächste Tag sollte ähnlich spannend werden. Wir behielten unser sparsames Moped und kurvten diesmal Richtung Cuc Phoung National Park. Nach geschlagenen 45km durch kleine Dörfer mit winkenden Kindern kamen wir schließlich am Parkeingang an. Wir bezahlten die Eintrittsgebühr und die Führungsgebühr für das Affen- und Schildkrötengehege (140.000 Dong, ca $7 für alles zusammen). Wir wurden zunächst durch die Affenstation geführt. Hier werden vom aussterben gefährdete Affenarten gehalten, aufgezüchtet und, wenn möglich wieder ausgewildert. Das ist in manchen Fällen sehr schwierig, da einige Affen viel Wert sind und somit von Vietnamesen gejagt werden. Viele zoologische Einrichtungen aus Europa sponsern dieses Unternehmen, die größten sind der Zoo Leipzig und der zoologische Garten in Frankfurt. Wir lernten sogar eine Leipzigerin kennen, die für sechs Monate dort aushilft und mit den Affen arbeitet.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0371

Ähnlich war es mit den Schildkröten, die dort in einem anderen Gehege gehalten werden. Es gibt drei vietnamesische Schildkrötenarten, die extrem vom Aussterben bedroht sind. Von der einen Art gibt es nur noch vier Tiere, die zu alt sind zum Kinderkriegen, weswegen sie fast sicher aussterben wird. Für die anderen besteht noch Hoffnung und diese Einrichtung versucht ihr Bestes sie wieder aufzuzüchten. Bei einigen Schildkrötenarten ist das Fleisch bis zu $5000 pro Kilogramm wert, weswegen manche Arten gar nicht mehr ausgewildert werden können, um sie zu schützen.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0407

Am Moped wieder angekommen, stellten wir fest, dass unser Hinterreifen platt ist. Also mussten wir mit Hilfe der Rezeptionistin einen Reparaturservice rufen. Dieser kam relativ schnell und reparierte unser Loch, dass durch ein Stück Tierknochen entstanden ist. Nicht nur wir, sondern auch alle anwesenden Vietnamesen fanden die Technik des Reifenreparierens (50.000 Dong, ca. $2,50) sehr spannend und schauten gebannt zu.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0423

Gruselige Insekten

Nachdem alles wieder in Ordnung war, fuhren wir weiter in den Nationalpark hinein. Unser erster Stopp war ein wunderschöner See, der in Mitten der vielen Berge einsam und wundervoll dar lag. Hier gab es ein Hotel, dass total verlassen schien. Alles war vollkommen leer bis auf eine einzelne vietnamesische Familie, die in einem Hinterhof spielte.
Weiter ging es durch dichten Wald bestehend aus allen möglichen Pflanzen, Büschen und Bäumen bis wir schließlich an einer Höhle ankamen, die man besichtigen konnte. Wir liehen uns eine Taschenlampe (ca. $0,50) aus und durchforsteten die dunklen Gänge der Höhle. Lars entdeckte per Zufall ein Insekt, dass uns bis jetzt noch nicht unter die Augen getreten ist. Allein der Körper war so groß wie eine Menschenhand und hatte unzählbar viele Beine. Etwas gruselig in einer dunklen Höhle.

5_Ninh_Binh_sterne_4_DSC_0469

Am Ende des Parkwegs tranken wir noch einen Eiskaffee, doch dann mussten wir uns auf den Rückweg machen. Leider reichte unsere Zeit nicht mehr aus, um den Rundweg auf den großen Berg zu unternehmen. Allerdings verlief die Rückfahrt nicht ganz so erfreulich. Unser Reifen war nach 30km wieder platt und es war gar nicht so einfach die richtige Werkstatt in einem der Dörfer zu finden. Schließlich fanden wir aber einen Mechaniker, der uns für 30.000 Dong (ca. $1,50) helfen konnte. Erschöpft und durchgefroren kamen wir an diesem Abend nach 130km auf dem Moped im Hotel an und schliefen tief und fest in der folgenden Nacht.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich um 6.30 Uhr den Bus nach Hai Phong nehmen, um die Fähre auf Cat Ba Island zu bekommen. Leider funktionierte unser Wecker nicht einwandfrei, weswegen wir 6.30 erschrocken fest stellten, dass es zu spät war. Gott sei Dank konnte uns ein Hotelmitarbeiter helfen und riet uns, uns an die Hauptstraße (Highway 1) zu stellen, um einfach einen Bus mit dem Schild “Hai Phong” anzuhalten. Dies klappte auch problemlos nach zehn Minuten Warten. Natürlich wollten sie uns in dem Bus wieder abzocken, mit ca. $7 pro Person. Da wir aber den Preis vorher kannten, gaben wir ihm einfach nur die Hälfte und nach einer Weile hörte er auch auf sich zu beschweren.

Kommentare

2 Antworten auf „Ninh Binh – einsam, schön und mystisch“

  1. Alles schön und interesant, wie immer. Die „komischen Krabbelteirchen“ bringt ihr bitte nicht als Souvenier mit….
    Bei uns ist jetzt übrigens richtig Winter, mit Schnee und Kälte, wißt ihr noch wie das ist? Bis bald :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.