Urlaub zukünftig unter Wasser
Ganz belebt, erfrischt und vor allem begeistert kehrten wir aus dem diesjährigen Schnorchel- und Erholungsurlaub aus Ägypten zurück. Nicht nur die bunte Unterwasserwelt hatte es uns angetan, sondern auch der Tauchsport an sich. Nun hieß es sich Gedanken machen, wie wir diese Erfahrung weiter mit Leben füllen können.

Tauchausbildung in einer Tauchschule oder im Verein?
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten seinen Tauchschein in Deutschland zu machen. Die eine ist die „Quick- and Dirty-Variante“ in einer kommerziellen Tauchschule. Das bedeutet man legt ca. 300-500 Euro auf den Tisch, bekommt ein Buch für die Theorie zum Selbststudium, probiert das ganze 1-2 Mal im Schwimmbad aus und macht dann seine Pflichtübungen im See, erhält seinen Tauchschein und danach trennen sich die Wege meist wieder.
Die andere Variante ist es, einem Tauchverein beizutreten. Hier muss man meist eine jährliche Vereinsgebühr (bei uns 170 Euro) zahlen und der Grundtauchschein ist ggf. schon enthalten. Die Ausbildung am See kostet dann meist extra (bei uns 150 Euro), da meist ehrenamtliche Tauchlehrer (auch Vereinsmitglieder) die Ausbildung übernehmen und dafür eine. Aufwandsentschädigung erhalten. Die Vereinsgebühr beinhaltet außerdem bis zu 4 mal Training pro Woche im Schwimmbad, Vereinsabende und günstige Ausleihgebühren für Equipment oder Pressluftflaschen.
Auch wenn der Altersdurchschnitt deutlich über unserem lag, haben wir uns schließlich für die zweite Variante entschieden und sind nun Vereinsmitglieder des Tauchsport-Club Berlin e.V. (TCB). Uns war wichtig, uns längerfristig mit dem Sport zu beschäftigen und durch das Training sicherer unter Wasser zu werden. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und nach ein paar Trainingseinheiten im Schwimmbad ging die Ausbildung auch gleich los.
Tauchausbildung: Theorie
Unsere kleine Tauchgruppe bestand aus 5 Personen: Jörg, unser Tauchlehrer, Silke, die Grundschullehrerin, Julian, der Südamerikaner und uns beiden. Angefangen hat alles mit der ABC-Ausbildung im Schwimmbad. Hier lernten wir nicht nur die Basics zum richtigen Abtauchen, Brille ausblasen und Schnorcheln, sondern wir mussten auch Übungen wie 25m-Streckentauchen, 30-Sekunden-Zeittauchen oder einen bewusstlosen Taucher retten, absolvieren. Parallel dazu durften wir nach langer Zeit mal wieder die Schulbank drücken und lernten an zwei Wochenenden die Grundzüge der Tauchphysik, Tauchmedizin, die Ausrüstung und das richtige Verhalten über und unter Wasser. Gott sei Dank haben wir alle die Prüfung problemlos bestanden.
Nachdem wir bewiesen hatten, dass wir zumindest in der Theorie alles verstanden haben, durften wir nun auch endlich mit Gerät (so heißt die Ausrüstung zum Gerätetauchen) ins Wasser. Hierbei wurde nicht nur darauf Wert gelegt, dass wir alles ordnungsgemäß aufbauen und anlegen können, sondern auch, ob wir einen Buddy-Check machen (Check der Ausrüstung des Partners) und ob wir die Basics auch mit Gerät durchführen können. Insgesamt sechs Mal trafen wir uns im Schwimmbad, um alles ausgiebig zu üben, vom Maske ausblasen über Wechselatmung bis hin zum ordnungsgemäßen Aufstieg.
Tauchausbildung: am Helenesee im Freiwasser
Aber damit nicht genug. Wir können damit ja nicht viel anfangen, wenn wir das Ganze nur im klaren Schwimmbadwasser können, wo wir unsere komplette Umgebung gut im Blick haben. Nein, das Ganze muss natürlich auch im Freiwasser also z.B. im See ausgiebig getestet werden. Also ging es am ersten August-Wochenende auf zum Helenesee (bei Frankfurt Oder) zur Tauchausbildung. Mit nun teilweise eigenem Equipment (wir hatten einen Einkauf von fast 1.000 Euro im Atlantis Berlin hinter uns). Toll am Tauchplatz Helenesee war, dass wir erstens mit dem Auto direkt an den See zum Ausladen fahren konnten und wir einen eigenen Unterstand für uns hatten. Somit wäre es auch bei Regen nicht ganz so ungemütlich geworden. Wir hatten jedoch schönes Wetter und konnten uns zwischendurch auf der Wiese in der Sonne erholen.
Nachdem alle eingetroffen waren, ging es gleich mit dem ersten Briefing los. Da auch zwei Vereinsmitglieder bei uns hatten, die gerade die Silber-Tauchausbildung absolvierten, durften sie das Briefing übernehmen, da es Teil Ihres Brevets zur Gruppenführung war. Die Gruppen wurden so aufgeteilt, dass immer ein Silber-Schüler mit einem Bronze-Schüler und einem Tauchlehrer ins Wasser ging. Neben Jörg, war André als zweiter Tauchlehrer bei uns. Jörg und André haben die Tauchgänge so aufgeteilt, dass jeweils eine Silber- und eine Bronzeaufgabe pro Tauchgang erfüllt werden musste. Hierbei wurden viele Übungen aus dem Schwimmbad wiederholt, wie zum Beispiel Maske ausblasen, Tarieren, Retten eines verunglückten Tauchers und Wechselatmung. Doch auch einige neue Schwierigkeiten kamen dazu, wie z.B. das gleichmäßig langsame Aufsteigen unter Wechselatmung, Orientierung unter Wasser oder das Transportieren eines deutlich schwereren verunglückten Partners an den Strand. Danach brauchten wir erstmal eine längere Pause auf der Picknickdecke inkl. Stärkung. Aber lange sollte die Ruhe uns nicht vergönnt sein. Gleich darauf gab es Übungen an Land zum Thema erste Hilfe, stabile Seitenlage und Wiederbelebung.
Am Nachmittag gab es noch weitere Tauchgänge
Das Wasser an sich war an der Oberfläche angenehm warm mit über 20 Grad (im Neopren ist man auch deutlich geschützter). Unter Wasser jedoch wurde es schnell kalt. Die erste Sprungschicht war schon bei zirka 8 Meter und hier war es dann mit um die 10 Grad Celsius doch sehr frisch, vor allem im Gesicht, wo keine wärmende Neopren-Schicht vorhanden war. Die Sicht reichte ungefähr 4 Meter. Ansonsten gab es auch ein paar Kleinigkeiten zu entdecken wie Wasserpflanzen, große Hechte und ein paar kleine Fische. Zusätzlich wurden hier ein paar Dinge versenkt, damit es den Tauchern nicht langweilig wird, wie z.B. ein Ruderboot, ein Torpedo, ein Gartenzwerg und eine Telefonzelle.
Um die An- und Abreisezeiten zu verringern, hatten wir uns entschieden vor Ort zu übernachten. Da die meisten Anbieter in den Sommerferien Ihre Bungalows oder Zimmer nur mit Mindestaufenthalten vermieten, blieb uns nur die Jugendherberge übrig. Die Doppelstockbetten und Bäder auf dem Gang versetzten uns ein wenig in unsere Jugend zurück. Nachdem wir beim Mexikaner in Frankfurt Oder vorzüglich gespeist hatten, setzten wir uns stilecht in den Garten der Jugendherberge mit einem Sixpack Bier und einer Flasche Wein und beobachteten die Tennismannschaft, die als einzige Nachbarn auch dort übernachteten.
Film von unserer Tauchausbildung (YouTube)
Resümee: Nie wieder ohne Tauchen
Alles in allem war es eine wunderbare Zeit und das Tauch-Wochenende die gelungene Krönung unserer Tauchausbildung. Jörg, Silke und auch André haben wir genauso ins Herz geschlossen wie das Tauchen an sich. In unseren zukünftigen Urlauben möchten wir diesen Sport nun gern immer mit einbauen und sehr gerne auch hier in Deutschland mit unserer kleinen Gruppe weiterhin tauchen gehen.
Euer Lars und eure Yvi
Wir freuen uns auf eure Kommentare.
